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[two_third] anlässlich der Ausstellung „Franziskus – Licht aus Assisi“ in der Paderborner Innenstadt

Zentrale Szene aus dem Leben des hl. Franziskus wird ins 21. Jahrhundert gesetzt

Anlässlich der Paderborner Ausstellung „Franziskus – Licht aus Assisi“ hat das Münchener Künstlerduo M+M (Marc Weis und Martin De Mattia) eine zweiteilige, großformatige Filminstallation für die Paderborner Innenstadt realisiert. Sie entstand im Auftrag der Ausstellungsgesellschaft Paderborn und wurde von Florian Matzner kuratiert. Nach Einbruch der Dämmerung waren in der Paderborner Fußgängerzone zwei Außenprojektionen mit dem Titel „Donnerstag“ zu sehen. In beiden, mit renommierten Theater- und Filmschauspielern besetzten, Filmen siedelt M+M eine zentrale Szene aus dem Leben des hl. Franziskus im 21. Jahrhundert an: den Bruch mit seinem Vater und die radikale Abkehr vom Reichtum.

Im kühlen, modernen Konferenzraum eines Finanzkonzerns mit Blick über die Stadt trifft sich der Konzernvorstand. Franziskus (Christoph Luser), ein Mitarbeiter des Konzerns, hat Familieneigentum veruntreut und an Bedürftige verschenkt. Zwei Vorstandsmitglieder – Vater und Mutter von Franziskus (gespielt von Sibylle Canonica und André Jung) – versuchen die Meinung des Senior Chefs (Andreas Lechner) einzuholen und bemühen sich um Verständnis für ihren Sohn. Dieser verzichtet während des Gesprächs auf sein gesamtes Vermögen und Erbe, legt seine Kleider ab und gibt diese als Ausdruck des absoluten Verzichts an seine Eltern zurück.

Die beiden Filme zeigen eine Szene, die sich auf einen Dialog aus Liliana Cavanis Film „Franziskus“ aus dem Jahr 1989 mit Mickey Rourke in der Hauptrolle bezieht. Allerdings trifft Franziskus in den zwei Filmversionen von M+M einmal mit seinem Vater, das andere Mal mit seiner Mutter zusammen. Dramaturgie, Kameraführung und Schnitt sind in beiden Filmen des Künstlerduos nahezu deckungsgleich, wohingegen die Emotionen und die atmosphärische Stimmung entsprechend der unterschiedlichen Personenkonstellationen wechseln. „Wie damals wäre auch heute ein Sohn wie Franziskus für alle Eltern ein Schock. Seine radikale Abkehr von Reichtum und familiärer Sicherheit ist auch heute schwer zu verstehen.

Wie reagiert heute ein aufgeklärter Vater, wie eine moderne, beruflich erfolgreiche Mutter darauf? Und dann taucht auch noch der Glaube als Alternative mitten im Herzen unserer kapitalistisch geprägten Gesellschaft auf. Diese Konstellation hat uns gereizt“, sagt das Künstlerduo M+M.

M+M arbeitet an der Schnittstelle zwischen Bildender Kunst und Film. In den Produktionen der letzten Jahre liegt ein Fokus auf filmischen Surround-Installationen, die narrative Fragmente ohne feste chronologische Einordnung miteinander verweben. Das Duo führt damit auf sehr eigene Weise Ansätze des sogenannten „Expanded Cinema“, des erweiterten Kinos, fort und versetzt den Betrachter unvermittelt in die Rolle des Flaneurs, der den Film in individueller Reihenfolge rezipieren kann. Häufig verlassen sie in ihren Projekten den Kino- oder Ausstellungsraum und suchen eine direkte Konfrontation mit dem Publikum im öffentlichen Raum. Dabei stellt M+M grundsätzlich die Frage nach persönlicher oder auch gesellschaftlicher Identität heute unter der Bedingung vollkommen veränderter Wahrnehmung von Zeit und Raum.

  • Donnerstag, 2 Filme, 16mm auf HD, je ca. 4 Minuten-Loops

M+M

M+M steht für die künstlerische Zusammenarbeit von Marc Weis, geboren 1965 in Daun und Martin De Mattia, geboren 1963 Duisburg.

Seit 1994 erhielten M+M zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien u. a. vom Kunstfonds Bonn, den Botho-Graef-Preis Jena und den Bayerischen Staatsförderpreis. Ebenfalls waren sie Stipendiaten in der Villa Massimo in Rom und in der Villa Aurora in Los Angeles. Ihre Arbeiten wurden u. a. im Musée d’Art Contemporain Montreal, dem Sprengel Museum Hannover, dem ZKM Karlsruhe, der Neue Galerie Graz, dem Museum für Fotografie Berlin, der Kunsthalle Hamburg, der ncca Moskau, der Kunsthalle Nürnberg, der Pinakothek der Moderne München und dem Museum Folkwang Essen gezeigt.

Prof. Dr. Florian Matzner

Florian Matzner, geboren 1961 in Essen, lebt in München und ist Kunstwissenschaftler und Ausstellungsmacher. Nach dem Studium der Kunstgeschichte in Marburg, Hamburg und Rom arbeitete er von 1991 bis 1998 als Kurator am LWL Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte Münster. Seit 1999 ist er Professor für Kunstgeschichte an der Akademie der Bildenden Künste in München. Er hat bereits zahlreiche Ausstellungen zur aktuellen Kunst mit dem Schwerpunkt „Kunst im öffentlichen Raum“ kuratiert, u. a. Projektleitung bei Skulptur-Projekte in Münster 1997, Kurator Arte all’Arte in der Toskana 1998 und 1999, Skulptur-Biennale im Münsterland 1999, Public Art-Programm in Bremen 2003 sowie Emscherkunst.2010 anlässlich von RUHR.2010 – Kulturhauptstadt Europas.

Ausstellungsgesellschaft Paderborn

Die Ausstellungsgesellschaft Paderborn ist eine gemeinnützige GmbH. Sie wurde bekannt durch die beiden großen historischen Ausstellungen „799 – Kunst und Kultur der Karolingerzeit“ im Jahre 1999 und „Canossa 1077 – Erschütterung der Welt. Geschichte, Kunst und Kultur am Aufgang der Romanik“ im Jahre 2006. Inzwischen haben sich die Aktivitäten der Ausstellungsgesellschaft auf das Festival Musica sacra Paderborn und zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum ausgedehnt. Auch für die nächsten Jahre sind eine große, gemeinsam von den Gesellschaftern Stadt Paderborn, Erzbistum Paderborn und Landschaftsverband Westfalen-Lippe getragene kulturhistorische Mittelalterausstellung, eine Ausstellung mit zeitgenössischer Kunst im öffentlichen Raum und weitere Ausgaben des Festivals Musica sacra Paderborn geplant. Für den Bereich der zeitgenössischen Kunst im öffentlichen Raum sind als Geschäftsführer der städtische Kulturdezernent Carsten Venherm und als Prokurist der Kulturamtsleiter Christoph Gockel-Böhner verantwortlich. Als Kurator für die Aktivitäten in diesem Bereich konnte Prof. Dr. Florian Matzner gewonnen werden.

Der Beitrag der Ausstellungsgesellschaft zur Ausstellung „Franziskus – Licht aus Assisi“ geht auf eine Anregung des Diözesanmuseums zurück.[/two_third] [one_third_last] vater14
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