+49 5251 125-1400   ·   museum@erzbistum-paderborn.de   ·   Di.–So. 10.00–18.00 Uhr

Spektakuläre Neuerwerbungen

Mit dem sensationellen Erwerb von 14 herausragenden Werken aus der Sammlung des Landrates Dr. Fritz Thomée (1862–1944) ist es gelungen, den Bestand des Diözesanmuseum dauerhaft mit Kunstwerken von außergewöhnlichem Rang zu bereichern. Sowohl ikonographisch wie typengeschichtlich schließen sie Lücken in der Sammlung und werden ihrem künstlerischen Rang entsprechend zu den Hauptwerken unseres Hauses gehören.

Skulpturen und Tafelbilder von herausragender Qualität

Die neu erworbenen Werke sind von herausragender künstlerischer Qualität. Darunter sind Skulpturen und Tafelbilder namhafter Meister aus dem 15. und 16. Jahrhundert sowie weitere hochkarätige Stücke aus der Zeit der Romanik und dem späten Mittelalter. In der einschlägigen Literatur sind sie einhellig als Höhepunkte der Sammlung Thomée ausgewiesen.

Wunderbare Sandsteinfiguren

Von besonderer Güte und Ausdruckskraft sind die drei Sandsteinfiguren der heiligen Anna Selbdritt, Dorothea und Elisabeth des namhaften Münsteraner Bildhauers Johann Brabender (1498/99-1561/62). Sie zählen zu den schönsten Figuren aus dem Spätwerk des Bildhauers und wurden um die Mitte des 16. Jahrhunderts wohl für die Klosterkirche der ehemaligen Zisterzienserabtei im ostwestfälischen Marienfeld geschaffen.

Einflussreiche westfälische Meister

Unter den erworbenen Gemälden ragt die Tafel mit der Darstellung des Marientods im Kreis der Apostel heraus, die dem Meister von Liesborn und seinem Umkreis zugeschrieben wird. Der spätmittelalterliche Künstler, dessen Name nicht überliefert ist, wurde benannt nach dem ehemals imposanten Hochaltar, den er 1465 für die Klosterkirche der Benediktinerabtei von Liesborn im Kreis Beckum schuf. Neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Meister von Liesborn möglicherweise mit Johann von Soest identisch ist. Seine Werkstatt war in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts unter anderem in Münster tätig. Ihr Einfluss strahlte bis nach Norddeutschland aus.

Sammlungsgeschichtliche Parallelen

Die drei Tafelbilder der Sammlung Thomée, die nun dauerhaft im Diözesanmuseum ihren Platz gefunden haben, stammen aus westfälischen Sammlungen und beide, die Sammlung Thomée und die Paderborner Sammlung, entstanden ungefähr zur gleichen Zeit – vor und während des Ersten Weltkriegs. Bei beiden lag der Schwerpunkt anfangs auf der mittelalterlichen Skulptur. Fritz Thomée schöpfte bei seinen Ankäufen aus den gleichen Quellen wie Gründungsdirektor Prof. Dr. Alois Fuchs (*1877, †1971), der die Ankäufe für das 1913 wiedereröffnete Diözesanmuseum in Paderborn tätigte. Es gibt also viele sammlungsgeschichtliche Parallelen und damit gute Gründe, die Sammlung Thomée mit einem eigenen Werkkomplex auf Dauer im Diözesanmuseum zu verorten.

Fritz Thomée – Kunstkenner und überzeugter Westfale

Landrat Dr. jur. Fritz Thomée aus Altena (*1862, †1944) baute zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine große, alle Gattungen der Kunst und des Kunstgewerbes umfassende Sammlung auf, die sich bis heute im Besitz der Familie erhalten hat. Er war in den Anfängen seiner Sammeltätigkeit offenbar von der Idee der westfälischen Kunstlandschaft inspiriert, und dadurch motiviert, sich der bis dahin weitgehend vernachlässigten mittelalterlichen Skulptur als Sammelgebiet zuzuwenden. Während Thomée bei seinen Käufen in der Anfangszeit Händler in der Region – unter anderem in Münster und Paderborn – bevorzugte, entstammen spätere Erwerbungen beispielsweise aus dem Münchener oder Kölner Kunst- und Auktionshandel. Fritz Thomée stand in brieflichem Kontakt mit einer Reihe renommierter Kunsthistoriker, etwa dem Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen zu Berlin Wilhelm von Bode. Auf dessen Anregung ist wohl seine Hinwendung zu Objekten internationaler bzw. außereuropäischer Kunst zurückzuführen.

Katalog 21 x 28 cm, 111 Seiten mit zahlreichen, meist ganzseitigen Abbildungen, im Diözesanmuseum erhältlich für 14,80 € · Bonifatius-Verlag, Paderborn, ISBN 9-783897-106956


Titelseite Katalog Sternstunden des Sammelns

Titelseite Katalog Sternstunden des Sammelns

Heilige Elisabeth mit Bettler, Johann Brabender, Münster, um 1540/50, Foto: Ansgar Hoffmann

Heilige Elisabeth mit Bettler, Johann Brabender, Münster, um 1540/50, Foto: Ansgar Hoffmann


Heilige Dorothea, Johann Brabender, Münster, Sandsein, um 1540/50, Foto: Ansgar Hoffmann

Heilige Dorothea, Johann Brabender, Münster, Sandsein, um 1540/50, Foto: Ansgar Hoffmann


Heilige Anna Selbdritt (Detail), Johann Brabender, Münster, um 1540/50, Foto: Ansgar Hoffmann

Heilige Anna Selbdritt (Detail), Johann Brabender, Münster, um 1540/50, Foto: Ansgar Hoffmann


Marientod (Fragment Detail), Umkreis des Meisters von Liesborn, 2. Hälfte 15. Jahrhundert, Foto: Ansgar Hoffmann

Marientod (Fragment Detail), Umkreis des Meisters von Liesborn, 2. Hälfte 15. Jahrhundert, Foto: Ansgar Hoffmann


Bronzekruzifixus, Westfalen, 1. Hälfte 12. Jahrhundert, Foto: Ansgar Hoffmann

Bronzekruzifixus, Westfalen, 1. Hälfte 12. Jahrhundert, Foto: Ansgar Hoffmann


Thronende Anna Selbdritt, Westfalen, um 1450, Foto: Ansgar Hoffmann

Thronende Anna Selbdritt, Westfalen, um 1450, Foto: Ansgar Hoffmann