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Paderborner Ausstellung lädt ein zu einer einzigartigen Zeitreise in die Ewige und Heilige Stadt

Paderborn. „Alles ist nichts gegen Rom“, schrieb 1757 Johann Joachim Winkelmann. Der deutsche Gelehrte brachte auf den Punkt, was seine Zeitgenossen fühlten. Und bis heute ist der Mythos Rom lebendig. WUNDER ROMs im Blick des Nordens – Von der Antike bis zur Gegenwart (31.3.–13.8.2017) – die große Sonderausstellung im Diözesanmuseum Paderborn – begibt sich auf die Suche nach dem Vielbeschriebenen und doch Unfassbaren, nach dem, was die Faszination der Stadt am Tiber seit Jahrhunderten ausmacht. Sie schlägt einen Bogen von den kolossalen Fragmenten und heiligen Schätzen des spätantiken Rom bis zu den subtilen zeitgenössischen Fotografien und Videos des Künstlers Christoph Brech aus München.

Elf Abteilungen widmen sich dem Blick des Nordens auf die Wunder der Antike, auf das Zentrum der Christenheit mit seinen Heilsversprechen, auf Überhöhung und schwärmerische Verklärung, auf das Zelebrieren und das sich Reiben bis hin zu künstlerischer Dekonstruktion und Neuinterpretation. 95 Leihgeber aus ganz Europa haben herausragende Zeugnisse jahrtausendealter römischer Kultur, wertvolle mittelalterliche Manuskripte, erstklassige Kunstwerke, sakrale Schatzkunst, Architekturfragmente sowie Skizzen, Zeichnungen, Graphiken, Skulpturen und Fotografien bedeutender Künstler des Nordens nach Paderborn gesandt.

Spektakuläre antike und heilige Schätze
Zu den spektakulärsten der rund 200 Exponate gehört die riesige Marmorhand der kolossalen Statue des Kaisers Konstantin aus dem 4. Jahrhundert. Noch nie war das gut 1,70 Meter hohe Original, das seinen Platz im Innenhof der Kapitolinischen Museen hat, in Deutschland zu sehen. Legendär ist die Bronzekugel, die einst die Spitze des vatikanischen Obelisken krönte und in der lange Zeit die Asche Caesars vermutet wurde. Aus dem Allerheiligsten, der Papstkapelle Sancta Sanctorum, stammen herausragende, kostbare Reliquiare und aus dem St. Catharine’s College in Cambridge die einzige überlieferte Abschrift eines mittelalterlichen Reiseberichts des Magister Gregorius über die Wunderwerke Roms: „De mirabilibus urbis Romae“.

Digitale Inszenierungen und die Stare über Rom
Mit dieser Handschrift – und damit aus der Perspektive eines Romreisenden des 13. Jahrhunderts – beginnt die Ausstellung. Die Beschreibung des gelehrten Briten ist nicht nur im Original zu sehen, sie bildet auch die Grundlage für eine digitale Inszenierung, die interaktiv die Wunder Roms sichtbar macht. Eine weitere Installation zeigt die wechselhafte Entwicklung der Stadt im Zeitraffer. Über all dem schwebt eine vier Meter hohe Projektionsfläche, auf der tausende Stare in grandiosen Flug-Formationen den Himmel über Rom bevölkern. Schon Plinius der Ältere beschreibt im 1. Jahrhundert n. Chr. das alljährliche Naturschauspiel. Der zeitgenössische Künstler Christoph Brech hat das Motiv der seit jeher über der Stadt kreisenden Stare in seiner Videoarbeit „La Sosta“ (dt. Die Rast) verarbeitet.

Vom Heiligen Rom zum Sehnsuchtsort von Künstlern und Literaten
Die Ausstellung spürt dem Rom-Bild im Wandel der Zeit nach und fragt, welche Bedeutung die „Rom-Idee“ für die Menschen nördlich der Alpen im Mittelalter hatte. Es geht um die Stadt der Heiligen und der Pilger, aber auch um das Rom-Ideal im Zeitalter des Humanismus. Seit der Renaissance entfalteten die wiederentdeckten römischen Antiken eine geradezu magische Anziehungskraft auf die Künstler des Nordens und prägten, als Inbegriff des Kunstideals, das Studium an den Kunstakademien Nordeuropas. Das zeigen u. a. Werke von Hendrick III. van Cleve, Maerten van Heemskerck, Hendrik Goltzius, Adriaen de Vries und Peter Paul Rubens. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Rezeption solch überragender Stücke wie dem Torso vom Belvedere und der Laokoongruppe in den unterschiedlichen Kunstgattungen.

Zu sehen ist auch Johann Joachim Winckelmanns bahnbrechende „Geschichte der Kunst des Altertums“ in der Erstausgabe von 1764. Eine eigene Abteilung widmet sich Künstlern, die mit ihren Zeichnungen und Gemälden ein überzeitliches, phantastisches und visionäres Bild der Ewigen Stadt erschufen, wie Nicolas Poussin, Angelika Kauffmann oder William Turner. Der Dichter Johann Wolfgang von Goethe prägte schließlich die Romwahrnehmung von Generationen von „Nordlichtern“. Nicht nur seine „Italienische Reise“ wird thematisiert, sondern auch die sogenannte „Ballerina di Goethe“ ist in der Ausstellung zu sehen – die römische Kopie einer griechischen Statue  aus dem 1. Jahrhundert, die er während seines Rom-Aufenthalts erwerben wollte, davon absah und es zeitlebens bereute.

Malen mit Licht und „Freie Blicke“
Und dann kamen die Fotografen. Robert Turnbull MacPherson war der erste, der in den vatikanischen Sammlungen fotografieren durfte. Die Ausstellung zeigt seine Arbeiten neben denen von James Anderson und Giorgio Sommer sowie den aquarellierten Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die der Archäologe Joseph Wilpert anfertigen ließ. Die Bilder von Max Peiffer Watenphul und Herbert List machen deutlich, wie Fotos selbst zum Kunstwerk wurden. Das Werk Christoph Brechs bildet den Abschluss und mit fast 40 Arbeiten einen Schwerpunkt der Ausstellung. Brech gehörte zu jenen Kunstschaffenden, die Papst Benedikt XVI. 2009 zu einem Dialog zwischen Kirche und Kunst einlud. Über drei Jahre durfte er völlig frei in den Vatikanischen Museen fotografieren – auch an Orten, die für das Publikum unzugänglich sind. Viele Motive, die dem Besucher während des Ausstellungsrundgangs begegnen, werden hier unter einem ganz neuen Blickwinkel noch einmal aufgerufen – etwa die römischen Pilgerströme, charismatische Antiken, wie der Torso Belvedere, oder auch Goethes Ballerina.

Estate Romana — das Begleitprogramm
Der „Römische Sommer“ — das Programm zur Ausstellung — beginnt bereits am 8. April. Gleich zwei Büchner-Preisträger/innen kommen nach Paderborn: Sibylle Lewitscharoff und Martin Mosebach. „Bildende Kunst trifft Musik“ lautet das Motto eines Abends mit dem Foto- und Videokünstler Christoph Brech. 7 Dialoge im Museum“ laden ein, Kunst- und Kultur­geschichte, Literatur und Film zu ergründen. Und wer Rom ganz praktisch entdecken und erfahren will, kann sich zu einem der 11 Workshops anmelden. Das üppige Oster- und Sommerferienprogramm reicht von Poetry-Slam bis zum Zeichenkurs. Informationen zum museumspädagogischen Angebot für Schulen und Gruppen gibt es sowohl auf der Website als auch in einer Broschüre, die, ebenso wie der Flyer zum Estate Romana, im Museum erhältlich ist.

Die Schirmherrschaft haben Gianfranco Kardinal Ravasi, Präsident des päpstlichen Rates für Kultur, und Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, übernommen.

Ein reich bebilderter Katalog erscheint im Michael Imhof Verlag.


Statements der Podiumsteilnehmer zur Ausstellungseröffnung

„Durch alle Jahrhunderte bis heute gab und gibt es vitale Beziehungen der Ortskirchen zum Stuhl Petri in Rom, deren Wurzeln weit ins Mittelalter zurückreichen. Auch zwischen Paderborn und Rom existiert seit Jahrhunderten ein enges Band. Dieser Rom-Bezug hat nicht zuletzt den Geist Europas geformt. Die neue Ausstellung unseres Diözesanmuseums zeigt, in welch großen europäischen Bezügen sich das Thema bewegt.“
Generalvikar Alfons Hardt, Erzbistum Paderborn

„Der zeitgenössische Blick des Fotografen Christoph Brech auf die vom Massentourismus bedrängten Wunder Roms, der nicht idealisiert, sondern in seinen Bildkompositionen bewusst verfremdet und dekonstruiert, brachte uns auf die Idee, die Perspektivität, den Blick des Nordens auf die Wunder Roms und dessen Wandel durch die Jahrhunderte ins Zentrum unserer Ausstellung zu stellen.“
Prof. Dr. Christoph Stiegemann, Direktor Erzbischöfliches Diözesanmuseum Paderborn

„Mit der Ausstellung zu den Mirabilia urbis Romae, den Wundern Roms im Blick des Nordens, haben wir uns wieder auf das Abenteuer eines interdisziplinären Großprojektes eingelassen. Erneut wurden herausragende Leihgaben aus ganz Europa nach Paderborn ausgeliehen: von Warschau bis Bordeaux und von Rom bis Cambridge und Kopenhagen. Das war allein auf der Grundlage des über viele Jahre gewachsenen Vertrauensverhältnisses und der guten Beziehungen zu den leihgebenden Institutionen möglich.“
Dr. Christiane Ruhmann, Kuratorin, Erzbischöfliches Diözesanmuseum Paderborn

„Als Künstler in Rom zu sein ist eine Herausforderung. Man ist ständig mit einer Überfülle von erhabener Kunst und Architektur konfrontiert, wohlgemerkt alles aus vergangenen Jahrhunderten, Jahrtausenden. Am Anfang war das irgendwie schwierig für mich, fast lähmend. Als ich aber eine längere Zeit dort gelebt hatte, bekam alles eine gewisse Normalität, und ich fing an Dinge zu sehen, die im großen Kontrast zu ihrer Umgebung oder zur Geschichte der Stadt zu etwas Besonderem wurden. Das war dann plötzlich sehr, sehr spannend.“
Christoph Brech, Foto- und Videokünstler

 

Pressemappe zur Ausstellungseröffnung

Pressebilder aus der AUSSTELLUNG WUNDER ROMs, Pressetermin 30. März 2017

Dr. Christiane Ruhmann, Generalvikar Alfons Hardt, Christoph Brech, Prof. Dr. Christoph Stiegemann


 

 

 

 

Ausstellung WUNDER ROMs, Foto: Diözesanmuseum Paderborn

Ausstellung WUNDER ROMs, Foto: Diözesanmuseum Paderborn