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img_5606Am Vorabend des St. Martins-Festes fand die vierte Veranstaltung der Reihe „Kunst auf den zweiten Blick“ im Museum statt. Unter dem Titel „Halloween und sonst nichts? Allerheiligen im Diözesanmuseum“ interpretierte und diskutierte Museumsdirektor Stiegemann mit seinem Gast, dem Theologen Dr. Markus Büning, Kunstwerke zu Heiligen in der Ausstellung.

Diese ist gerade vor ein paar Tagen um 15 weitere wertvolle Exponate aus der Sammlung Thomée bereichert worden (vgl. Blog-Beitrag vom 09.11.) und so konnte die Ouvertüre der Veranstaltung hier beginnen, gehören doch gleich drei Skulpturen zu den Heiligen Dorothea, Elisabeth und Anna zu den Highlights des Sammlungszuwachses. Diese ausdrucksstarken Figuren des Münsteraner Bildhauers Johann Brabender in den Blick nehmend, eröffnen Stiegemann und Büning in einem anregenden und durchaus auch kontrovers diskutierenden Gespräch für die Besucher neue Blicke auf die drei Figuren und ihre dahinterstehende legendarische Überlieferung.

Der Theologe informierte anschaulich über die  überlieferten Viten und die Verehrung dieser drei Frauen, der Musuemsdirektor lenkte als Kunsthistoriker den Blick auf die Formensprache des Künstlers und zeigte beispielsweise wie Brabender die Vorstellung Dorotheas als Braut Christi in eine aktualisierende jugendliche, Selbstbewusstsein und Stolz ausdrückende Gestaltung seiner Figur übersetzte.

img_5591Brabender erweckte so mit seinen Figuren Bilder zu den überlieferten Legenden über die Heiligen bei seinen Betrachtern, schuf Eindrücke über sie, die als besondere Vorbilder christlicher Nachfolge wegweisend für die Christen sein sollten.

Apropos wegweisend: Weitere Skulpturen zu Heiligen gaben dann den weiteren Weg durch die Ausstellung vor: mittelalterliche und barocke Figuren von Katharina von Alexandrien, Christopherus, den Evangelisten und Kirchenvätern wurden im weiteren Verlauf der Veranstaltung von beiden Experten in den Blick genommen.

Selbstverständlich durfte auch der heilige Martin nicht fehlen. Eine spätgotische Figur war eigens für diesen Abend aus dem Depot geholt worden und wurde passend zwischen die Liborifestalatarfiguren gestellt, verband beide Heilige doch laut Überlieferung eine persönliche Freundschaft:

Martin war, so erzählen es die historischen Quellen, am Sterbebett des heiligen Liborius anwesend. Diese und weitere Informationen zu Martin bereicherten das Gespräch zu diesem bekannten, doch oft auf die Legende der Mantelteilung reduzierten Wissen über den caritativen, persönlich ganz entsagungsreich lebenden Bischof von Tours im 4. Jahrhundert, über den von den Merowingern und Franken zum Nationalheiligen erhobenen ehemaligen Offizier aus Pannonien (Ungarn), dessen Cappa zur kostbarsten Reliquie seiner Person wurde.

Mit einem abschließenden Blick auf ein wertvolles Reliquiar aus Bergkristall, gestiftet von Ferdinand von Fürstenberg, fand der anregende Gesprächsabend in der Domschatzkammer seinen Abschluss. Anhand dieses Schaugefäßes  erläuterten Christoph Stiegemann und Markus Büning die Überzeugung der katholischen Kirche, dass auch in einem kleinen Teil der sterblichen Überreste eines Heiligen die Virtus Gottes zu spüren sei. Ihnen räumlich nahe zu sein und ihre Vita zu kennen, ihnen in Kunstwerken sichtbare Konturen zu verleihen, ist von dieser Überzeugung her motiviert. In unserer pluralen Gesellschaft, die persönliche Orientierung und Vorbilder benötigt, besitzen Heilige und ihre Darstellung damit auch heute noch Aktualität.