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Die „Ballerina de Goethe“ bei ihrer Ankunft im Diözesanmuseum Paderborn. Foto 3: Murauer

Die „Ballerina de Goethe“ bei ihrer Ankunft im Diözesanmuseum Paderborn. Foto: Murauer

Wertvolle Statue aus dem Vatikan und antike Schätze
für Paderborner Ausstellung angekommen

Aus den Vatikanischen Museen direkt nach Paderborn: Die sogenannte „Ballerina di Goethe“ gehört zu den Höhepunkten der Ausstellung „WUNDER ROMs im Blick des Nordens“ (ab 31. März 2017). Heute kam die schöne Marmor-Nymphe an. Mit ihr gemeinsam überquerten drei weitere, bedeutende Exponate aus den päpstlichen Sammlungen die Alpen.

Die Nymphe, die den Dichter betörte.

Sie ist die römische Kopie einer griechischen Statue und verzauberte schon Johann Wolfgang von Goethe. Der Dichter entdeckte die „lieblich bewegte Gestalt“ während seiner Italienreise in den 1780er Jahren und war begeistert. Als die Schöne ihm vertraulich zum Kauf angeboten wurde, versuchte Goethe die finanziellen Mittel dafür aufzubringen. Doch der Erwerb und vor allem die Ausfuhr eines solchen Stückes waren schon damals nicht unproblematisch. Freunde warnten Goethe vor den Schwierigkeiten, die das mit sich bringen würde. Schweren Herzens nahm er Abstand von dem Vorhaben – eine Entscheidung, die er zeitlebens bereute. So blieben Goethe nur die Besuche im Vatikan, denn er war es, der die antike Skulptur schließlich erwarb. Noch heute steht die Nymphe am selben Ort, an dem der Dichter sie einst bewunderte – bis jetzt, denn für die Reise nach Paderborn hat sie Rom zum ersten Mal verlassen.

Ein Medaillon für Goethes Sohn

Auch Goethes Sohn August (1789–1830) zog es ins Sehnsuchtsland Italien. Doch ihm blieb nur wenig Zeit, um den warmen Süden zu genießen. Mit nur 40 Jahren starb er in Rom. Für seinen Grabstein fertigte der dänische Bildhauer Bertel Thorvaldsen ein Portraitrelief an. Das Original befindet sich heute in der Residenz der Deutschen Botschafter in Italien. Für die Paderborner Ausstellung wurde das kostbare Marmormedaillon abgenommen, restauriert und hat nun erstmals Rom verlassen.

Fragment eines heiligen Ortes

Zu den herausragenden Exponaten, die die Kunstkuriere jetzt ins Diözesanmuseum gebracht haben, gehört ein reich mit pflanzlichen Motiven verziertes Stein-Fragment aus dem 8. Jahrhundert. Es war einst Teil einer monumentalen Schrankenanlage in der bedeutendsten frühen Märtyrerkirche Roms, der alten Petersbasilika und trennte den Chorraum mit dem Grab des Heiligen vom Längsschiff.

Zeugnisse vergangener Pracht

Welche überwältigende Fülle von Statuen in Rom vorhanden gewesen ist, zeigt eindrucksvoll ein Relief aus dem Grab der Familie des Bauunternehmers Quintus Haterius Tychicus. Dort ist das Colosseum so dargestellt, wie es im 2. Jahrhundert aussah. Vergleicht man diesen reichen monumentalen Skulpturenschmuck mit den heute erhaltenen Relikten, so kann man ermessen, wie groß die Verluste über die Jahrhunderte gewesen sind. Dabei wurden die Statuen nicht als Kunst verstanden, sondern verbildlichten religiöse Vorstellungen und Wertesysteme der römischen Gesellschaft.