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Ein Werkstattbericht über ein besonderes Unterrichtsprojekt

20160414_105736Mittendrin – dieser Ausdruckcharakterisiert gleich in doppelter Hinsicht das Projekt „Kreatives Schreiben im DM“ , das Schülerinnen unserer Kooperationsschule St. Michael unter der engagierten Leitung  ihrer  Lehrerin Petra Ritter-Osterfeld aktuell hier im Haus durchführen.

Zusammen mit der Museumspädagogin Heike Bee-Schroedter entwickelte sie dieses Projekt, dessen Ziel es ist, dass die Teilnehmerinnen selber Texte zu den Ausstellungsstücken verfassen, die dann im Museum den Besuchern als Interpretationsangebote zur Verfügung gestellt werden sollen. Welche Form sie haben werden, ob es am Ende ein Gedicht, eine Geschichte, ein Tweet oder ein Informationstext wird, ist noch völlig offen. Wichtig ist die Intention: die Besucher auf das Exponat auf kreative ungewöhnliche Weise mit Worten aufmerksam zu machen.

Auf diese Weise können die Gedanken der jungen Wortakrobatinnen ein breites Publikum bekommen und – umgekehrt betrachtet – bereichern die Texte die Vermittlungsangebote zu den Exponaten im Museum.

 „Hier so mittendrin, zwischen den Kunstwerken, fand ich es ganz ungewöhnlich. Ich hatte das Gefühl, als würden mich alle Figuren direkt anschauen.“  (Dorothea G.)

Dazu ist es jedoch erst einmal notwendig, die Exponate persönlich in Augenschein zu nehmen, mit ihnen in einen Dialog zu treten und erste Gedanken und Assoziationen, Beobachtungen und Gefühle festzuhalten, also einen persönlichen Zugang zu den Objekten zu finden, sich also mittendrin – in der Ausstellung zu bewegen. So machen sich bereits seit mehreren Wochen die Schülerinnen des Forderkurses Deutsch der Jahrgangsstufe 9 jeden Donnerstag auf den Weg in unsere Ausstellung, wechseln den Lernort Schule mit dem des Museums. Bei jedem Besuch erkunden sie selbstständig einzelne Ausstellungseinheiten und halten ihre Eindrücke in Form des automatischen Schreibens fest: Erlaubt ist dabei alles festzuhalten; nur den Stift nicht absetzen, um die Gedanken fließen lassen….

Faszinierend ist es hier zu beobachten, mit welcher Ernsthaftigkeit, Konzentriertheit und Ausdauer die 15 Jährigen sich hier den jahrhundertealten Objekten annähern, ihre Gedanken in dicht beschriebenen Zeilen zu Papier bringen und ganz eigenständige Beobachtungen und Interpretationen in der anschließenden Reflexion äußern. So stellte Joyce zum Gemälde „Nach der Kreuzabnahme“ von Inge Höher nachdenklich fest: „ Am Ende bleiben nur diese Gegenstände; sie wirken so unschuldig und zugleich so anteilnahmslos.“

Nele erweckte gedanklich eine mittelalterlichen Mariensskulptur zum Leben und spekulierte: „Wenn sich das Jesuskind auf ihrem Schoß bewegen würde? Könnte Maria es dann noch rechzeitig festhalten? Ihre Hand umfasst den Körper des Kindes gar nicht richtig. Ist da schon deutlich, dass sie Jesus bald gehen lassen muss?“

Mittendrin im Prozess: Jetzt geht’s ans Schreiben

Nach dieser Phase der ersten Annäherung werden die Mädchen nun daran gehen und mit Hilfe kreativer Schreibmethoden ihre ersten Texte zu überarbeiten und ihnen eine neue Gestalt zu geben.

Sie befinden sich also auch zeitlich gesehen „mittendrin“ im Projekt. Wir dürfen gespannt sein, welche Texte sie uns am Ende zur Verfügung stellen. Gemeinsam werden wir dann überlegen, in welcher Form sie unseren Besuchern dann präsentiert werden. Wir werden Sie, liebe Leser, über das Ergebnis des Projekts auf jeden Fall informieren.

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(Fotos: Heike Bee-Schroedter)

Link zur entsprechenden Seite des Gymnasiums der Michaelsschulen