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Pressegespräch in der Werkstatt des Diözesanmuseums zum Exponat Inschriftenplatte aus Corvey

Restauratorenteam bereitet fast 1.200 Jahre alte Inschriftentafel aus Corvey für Paderborner Sonderausstellung vor. Bank für Kirche und Caritas übernimmt die Patenschaft.


Schon von weither war sie zu sehen, die golden glänzende Inschrift am Westwerk der mittelalter¬lichen Abtei Corvey. In imposanter antiker Schrift war dort zu lesen: „Umhege, oh Herr, diese Stadt und lass Deine Engel die Wächter ihrer Mauern sein“. Man schrieb wohl das Jahr 885, als die mächtige Abtei und die Civitas, die das Kloster umgebende Ansiedlung, unter den Schutz der Engel gestellt wurden.

Ab dem 21. September 2024 wird das Original der wertvollen Inschriftenplatte in der Sonderausstellung „Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter“ im Diözesanmuseum Paderborn zu sehen sein. Jetzt wird die empfindliche Originalplatte transport- und ausstellungsfähig gemacht. An der Fassade des Corveyer Westwerks ist aus konservatorischen Gründen eine Kopie angebracht. Die eingelegten, vergoldete Buchstaben fehlen heute, auch in der Originaltafel, denn sie gingen bereits in den vergangenen Jahrhunderten verloren.


Ein Blick hinter die Kulissen

„Schon vor gut 20 Jahren hat diese Sandsteinplatte einen Edelstahlrahmen zur Stabilisierung be-kommen. Den haben wir jetzt sorgfältig auf Schwachstellen untersucht“, erklärt der auf Stein-restaurierung spezialisierte Diplom-Restaurator Matthias Rüenauver von der Fachwerkstatt für Restaurierung und Konservierung ars colendi. Dipl.-Restauratorin Karen Keller, die für das heutige UNESCO-Welterbe Corvey die restauratorische Fachbauleitung innehat, ist aus Köln zur konser¬vatorischen Überprüfung der Tafel angereist. Gemeinsam haben Rüenauver und Keller Vorder- und Rückseite genauestens unter die Lupe genommen. Jetzt werden letzte Sicherungsmaßnahmen durchgeführt, dann ist das Highlight aus Corvey reisefertig.

Beim Ortstermin in der Werkstatt des Diözesanmuseums ließen sich auch der Vorstandsvorsitzende der Bank für Kirche und Caritas (BKC) Dr. Richard Böger und das designierte Vorstandsmitglied Dr. Manuel Sonntag von den Fachleuten die Details erklären. Die BKC fördert die Paderborner Sonderausstellung und hat die Patenschaft für das außergewöhnliche Objekt übernommen. „Wir engagieren uns gern für dieses großartige Aus¬stellungsprojekt, weil wir uns auf diese Weise auch für den Erhalt bedeutender Kunstschätze aus unserer Region einsetzen können“, erklärte Dr. Richard Böger.


Zeichen kaiserlicher Macht am Weserbogen


Wie aber gelangte ein solch ungewöhnliches Stück, das deutlich an die Inschriften römischer Triumphbögen erinnert, an ein mittelalterliches Gebäude im tiefsten westfälischen Hinterland? Die Benedikti¬nerabtei Corvey an der Weser, gegründet vor 1.200 Jahren, im Jahre 822, von Kaiser Ludwig dem Frommen, war eines der bedeutendsten kulturellen Zentren des karolingischen Reiches. Klosterbibliothek und Skriptorium waren Hort von Schriftkultur und Wissen und damit auch ein wichtiger Ort der Antikenüberlieferung. Forschende vermuten die Auftraggeber der Inschriftenplatte im Umfeld des karolingischen Kaiserhofes. Hier waren die antiken Originale bekannt, hier hatte man die finan¬ziellen Möglichkeiten und die Kontakte, um erstklassige Handwerker an die Weserabtei zu holen. Diese arbeiteten dort jedoch nicht mit Marmor, sondern verwendeten Sandstein aus dem nahen Solling. Die eingebrachte Inschrift in der antiken Schriftart „capitalis quadrata“ war – ganz nach römischem Vorbild – mit vergoldeten Bronzebuchstaben ausgelegt. Schon von weither war sie zu sehen und vermittelte jedem, ob des Lesens kundig oder nicht, den Eindruck römischer Autorität. Es war eine anschauliche Machtdemonstration der Karolinger, die so ihren Anspruch auf antikes Erbe und die Nachfolge der römischen Kaiser zur Schau stellten.


Mittelalterliche Schätze und die Faszination der Antike


Die Ausstellung „Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter“ (21.09.2024 bis 26.01.2025 im Diözesanmuseum Paderborn) zeigt anhand von charismatischen Schätzen, wie antikes Wissen und Kultur über das Mittelalter bis in die Gegenwart gelangten und noch heute unsere europäische Gesellschaft prägen. Dazu führen die Ausstellungsmacher 120 wert¬volle Leihgaben aus Museen und Bibliotheken in ganz Europa und den USA zusammen. Darunter sind so faszinierende Exponate wie das Bursenreliquiar aus dem Dionysius-Schatz des ehemaligen Stifts Enger, eines der bedeutendsten Werke frühmittelalterlicher Goldschmiedekunst.

Flankiert werden die kostbaren Originale von virtuellen Interventionen, Einblicken in die Tätigkeit von Restaurator*innen, Forschenden und Naturwissenschaftler*innen, die heute das antike Erbe für uns bewahren und pflegen. Die Bedeutung und Vielfalt von Schrift und Schriftlichkeit machen aktu¬elle Arbeiten des Kalligraphen und Künstlers Brody Neuenschwander deutlich.


Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.


Weitere Informationen: erbe-der-antike.de
Pressefotos unter: https://dioezesanmuseum-paderborn.de/presse/


Pressekontakt im Auftrag des Diözesanmuseums Paderborn
presse@dioezesanmuseum-paderborn.de
Hendrik von Boxberg, +49 177 7379207, presse@von-boxberg.de und Waltraud Murauer-Ziebach, +49 171 416 8808, w.murauer@arthema.de

Die antike Bärin spielt eine wichtige Rolle in der Ausstellung Corvey und das Erbe der Antike. Bevor Sie als Leihgabe nach Paderborn kommt, wird sie in Aachen gereinigt und neu erforscht. Dafür musste die gut 120 kg schweren Bärin sicher durch den Aachener Dom transportiert werden. Diesen besonderen Transport haben wir begleitet. Dabei haben uns Matthias Rüenauver, Restaurator, Dr. Birgitta Falk, Leiterin der Domschatzkammer und Dominformation Aachen und Dr. Christiane Ruhmann, Kuratorin im Diözesanmusem Paderborn eine Antwort auf folgende Fragen gegeben:

  • Wie lief der Transport der wertvollen Bronzeskulptur durch den Aachener Dom genau ab?
  • Was musste beim Transport besonders beachtet werden?
  • Warum ist die Arbeit als Restaurator und die Zusammenarbeit mit erlesenen Stücken wie der Aachener Bärin so besonders?
  • Warum wird die Aachener Bärin auch als Aachener Lupa bezeichnet?
  • Warum werden Objekte vor großen Paderborner Ausstellungen besonders erforscht?

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Nur durch das große Restaurierungs- und Forschungsprojekt des Diözesanmuseum Paderborn, dem Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin und der Ernst von Siemens Kunststiftung kann das Bursenreliquiar von Enger in unserer Sonderausstellung „Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter“ im September gezeigt werden. In diesem Video beantworten Dipl. Rest. Wibke Bornkessel, Restauratorin Kunstgewerbemuseum, Dr. Dorothee Kemper, Kunsthistorikerin, DVfK Berlin, Bursen-Forschungsprojekt, Karin Wermert M.A. Kunsthistorikerin, Diözesanmuseum Paderborn, Bursenprojekt und Dr. Lothar Lambacher, ehemaliger Hauptkustos der Mittelalterabteilung des Kunstgewerbemuseums, folgende Fragen:

  • Die Burse von Enger wurde gerade restauriert. Was genau ist da passiert
  • Die Burse ist auch naturwissenschaftlich untersucht worden. Was bedeutet das?
  • Wie geht es weiter mit der Burse von Enger?

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Das Bursenreliquiar von Enger gehört zu den bedeutendsten Werken der Goldschmiedekunst, die aus dem frühen Mittelalter erhalten sind und wird auch in unserer Sonderausstellung zu sehen. Dies ist nur durch ein gemeinsames Forschungs- und Restaurierungsprojekt zwischen dem Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin, dem Diözesanmuseum Paderborn und der Ernst von Siemens Kunststiftung möglich. Wir haben im Mai das Restaurierungs- und Fotolabor des Projektes in Berlin besucht und konnten dabei zwei interessante Video-Interviews produzieren. In diesem ersten Video beantworten Dr. Lothar Lambacher, ehemaliger Hauptkustos der Mittelalterabteilung des Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Museen zu Berlin, Dr. Sibylle Hoiman, Direktorin des Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Museen zu Berlin, Dr. Dorothee Kemper, Kunsthistorikerin, DVfK Berlin, Bursen-Forschungsprojekt und Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung folgende Fragen:

  • Was ist eine Burse und wofür wurde sie benutzt?
  • Was hat das Bursenreliquiar mit der Antike zutun?
  • Restaurierung, Sicherung, Erforschung, Vermittlung – warum wird ein so großes Projekt von der Ernst von Siemens Kunststiftung unterstützt?

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Corvey und das Erbe der Antike

Dr. Holger Kempkens ist der Direktor des Diözesanmuseum Paderborn. Er gibt uns in diesem Video spannende Hintergrundinformationen zur Sonderausstellung „Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter“ und beschreibt, warum die Ausstellung so besonders ist und man sich diese nicht entgehen lassen sollte. Holger Kempkens gibt Auskunft zu diesen Fragen:

  • Warum findet eine Ausstellung über das Erbe der Antike in Paderborn statt?
  • Welche Rolle spielen große Sonderausstellungen im Programm des Museums?
  • Warum sollte man sich die Ausstellung in Paderborn anschauen?
  • Auf welche Ausstellungsstücke freuen Sie sich am meisten?
  • Wie ist es möglich diese Ausstellung zu realisieren?

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Corvey und das Erbe der Antike

Dr. Christiane Ruhmann ist die Kuratorin der Sonderausstellung „Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter“ im Diözesanmuseum Paderborn. Sie gibt uns in diesem Video spannende Einblicke in die Sonderausstellung und stellt einige der Exponate vor, die von mehr als 50 Leihgebenden aus ganz Europa und den USA erwartet werden. Christiane Ruhmann gibt Auskunft zu diesen Fragen:

  • Erbe der Antike – was bedeutet das und was hat es mit uns heute zu tun
  • Was sind ihre drei Highlight Exponate
  • Für welche Zielgruppe ist die Sonderausstellung „Corvey und das Erbe der Antike“ geeignet?
  • Welche Vermittlungsziele verfolgt sie mit der Sonderausstellung?

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  • Ernst von Siemens Kunststiftung ermöglicht Restaurierungs- und Forschungsprojekt für frühmittelalterliches Bursen-Reliquiar.
  • Das herausragende Werk aus dem Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin ist vom 21. September 2024 bis 26. Januar 2025 im Diözesanmuseum Paderborn zu sehen.

Berlin/Paderborn. Sie ist ein Meisterwerk des karolinigischen Frankenreiches, die Burse von Enger aus dem Schatz des Dionysiusstiftes zu Enger/Herford, die sich seit 1885 im Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Museen zu Berlin befindet: Sakrale mittelalterliche Goldschmiedekunst, geschmückt mit Gemmen und mythologischen Motiven aus der Antike, mit wertvollen Edelsteinen und Tierfiguren im insularen Stil. Die Burse von Enger ist auf das 8. Jahrhundert datiert und ist eines der ältesten christlichen Reliquiare in Goldschmiedekunst, das sich in Europa erhalten hat. Sie beinhaltet u.a. einige der frühesten mittelalterlichen Email-Arbeiten nördlich der Alpen, was sie für die Forschung besonders interessant macht. Zu welchem Zweck schuf ein mittelalterlicher Goldschmied solch ein prachtvolles Objekt? Wer gab es in Auftrag? Was enthielt dieses taschenförmige Behältnis? Welche Bezüge hat es zur Antike?

Das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin und das Diözesanmuseum Paderborn haben 2024 mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung ein großangelegtes Restaurierungs- und Forschungsprojekt initiiert, um Fragen wie diese mit neusten technologischen Methoden in den Blick zu nehmen. An die naturwissenschaftlichen Untersuchungen schließen sich die ausführliche kunst- und kulturhistorische Einordnung der Burse und konservatorische Maßnahmen an. Anlass ist die Sonderausstellung „Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter“, die am 21.09.2024 im Diözesanmuseum Paderborn eröffnet wird. Erstmals seit der Ausstellung „Kunst und Kultur im Weserraum“ 1966 in Corvey kann die dann umfassend konservatorisch gesicherte, wertvolle Burse wieder zu einer Ausstellung reisen. Im Diözesanmuseum Paderborn gehört sie zu den Höhepunkten der Sonderausstellung, die zeigt, wie die Antike bis heute unsere Vorstellungen von Politik, Recht, Kunst und Wissenschaften prägt und wie Kulturtechniken und kulturelles Wissen vor allem auch über die Vermittlung des Mittelalters zu uns gelangen konnte. Die Burse von Enger wird hier erstmals zusammen mit der eng verwandten „Fibel von Dorestad“, einer karolingischen Mantelschließe mit Edelsteinen, Perlen und Glas aus dem Rijksmuseum van Oudheden in Leiden zu sehen sein. Ein internationales Fachkolloquium zur Engerer Burse und ihrem Umfeld wird während der Ausstellungszeit stattfinden und zu einer Publikation führen, die 2025/2026 erscheinen soll.

 

Legende und Bedeutung

„Die Geschichtswissenschaft vertritt seit 1867 die These, dass dieses Reliquiar aus Enger unmittelbar mit dem Sieg Karls des Großen über die heidnischen Westfalen – damals noch Saxones genannt – verbunden werden könnte“, so Dr. Lothar Lambacher, ehemaliger Hauptkustos der Mittelalterabteilung des Kunstgewerbemuseums der Staatlichen Museen zu Berlin und Initiator des Forschungs- und Restaurierungsprojekts. „Die Burse von Enger stammt genau aus jener Zeit.“ Karl der Große soll seinem einstigen Widersacher Herzog Widukind – so berichten verschiedene zeitgenössische Annalen – reich mit Taufgaben beschenkt haben, darunter vermeintlich auch die Burse von Enger. Belegt ist, dass unter Karl dem Großen die Saxones ihren Treueeid in der Kirche oder auf ein Reliquiar schwören mussten – ein durchaus wirkmächtiges Instrument, der Bruch eines solchen Eids konnte schwerwiegende Folgen haben.

 

Antike Bezüge – karolingische Renaissance

Das Bursenreliquiar aus Enger vereint große Traditionslinien europäischer Kunst: den insularen Tierstil mit einem Flechtbandwerk, wie es auch in der irischen Buchmalerei zu finden ist. In umlaufenden, sich verschlingenden Bändern an der Burse finden sich Verweise auf die merowingische Schmuckkunst. Eine dritte Traditionslinie ist die Formensprache spätantiker Plastik, wie bei den Darstellungen von Maria, Christus und den Aposteln Petrus und Paulus auf der Rückseite der Burse, oder den fünf gegossenen Löwen am First des Reliquiars, die als Wächter der in der Burse bewahrten Reliquien gelten.
Nicht zuletzt bieten die hervorragenden Gemmen, die das Stück zieren, eine ganz direkte Vermittlung antiken Erbes. Die geschnittenen Steine sind in Zweit-, vielleicht sogar schon Dritt-Verwendung eingearbeitet. Hier wurden antik-heidnische Darstellungen in hoher Qualität in einem christlichen Kontext eingesetzt. Karolingische Renaissance sowie die Wiederbelebung antiker Kunst und Kultur zurzeit Karls des Großen und seiner Nachfolger zeigt sich im Bursen-Reliquiar von Enger in ganz eigener Ausprägung.

 

Neueste restauratorische und konservatorische Methoden

Dr. Dorothee Kemper, Kunsthistorikerin, DVfK Berlin, Forschungsprojekt Burse: „Wir haben heute die Möglichkeit, mit modernen archäometrischen, also naturwissenschaftlichen Methoden, Analysen an Metallen oder auch an dem Glas und den Emailbesätzen durchzuführen, teilweise sogar berührungsfrei. Das war bis vor einigen Jahrzehnten nicht möglich – man musste wirklich große Bohrlöcher einbringen oder Proben nehmen, die das Objekt beeinträchtigt oder zumindest Fehlstellen erbracht haben. Es ist jetzt möglich, Analysen anzufertigen, etwa die Goldqualitäten, die Silberqualitäten zu erforschen oder auch mit anderen abzugleichen, die nach und nach für solche Forschungen zur Verfügung stehen.“ Gemeinsam mit dem Archäometer Boaz Paz, der Kunsthistorikerin Karin Wermert vom Diözesanmuseum Paderborn, die sich vor allem auf die Gemmen konzentriert sowie den für die Restaurierung zuständigen Wibke Bornkessel und Christian Fischer aus dem Berliner Kunstgewerbemuseum arbeiten Lothar Lambacher, Dorothee Kemper, Jan Friedrich Richter und andere an der umfassenden wissenschaftlichen Erforschung und zeitgemäßen konservatorischen Behandlung. Zum Einsatz kommen u.a. Techniken wie digitale 3D-Mikroskopie, Röntgenfluoreszenzanalyse, Raman-Spektroskopie, laserbasierte Plasmaspektroskopie-Analyse oder Infrarotspektroskopie-Analyse.

 

Über die Sonderausstellung „Corvey und das Erbe der Antike. Kaiser Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter“ im Diözesanmuseum Paderborn
Die Äbte des Klosters Corvey besaßen weitreichende Verbindungen nach Rom und Byzanz und gehörten zu den Gelehrten des karolingischen Hofs. Sie machten die Abtei am Weserbogen zu einem Zentrum der Übermittlung antiker Schrift, Architektur und Wandmalerei. Das 1.200ste Jubiläum der Klostergründung und die Welterbe-Anerkennung vor 10 Jahren sind Anlass der Sonderausstellung. Sie zeigt, wie antikes Wissen und Kultur über das Mittelalter bis in die Gegenwart gelangten und noch immer unsere europäische Gesellschaft prägen.

Die Ausstellung führt einzigartige Leihgaben aus Museen und Bibliotheken in ganz Europa und den USA zusammen. Darunter sind so faszinierende Exponate wie die Burse von Enger. Aus der Vorhalle des Aachener Doms kommt die berühmte bronzene Bärin, die ursa, zu der die Ausstellung neueste Forschungsergebnisse wird präsentieren können. Das Musée de La Cour d’Or in Metz schickt die erhaltenen Teile des reichverzierten Sarkophags von Ludwig dem Frommen, des Gründervaters der Abtei Corvey, nach Paderborn. Die berühmte Stiftsbibliothek St. Gallen entleiht kostbare Fragmente eines Werkes des römischen Dichters Vergil, und aus der Biblioteca Medicea Laurenziana in Florenz kommt eine mittelalterliche Abschrift der Annalen des römischen Geschichtsschreibers Tacitus zurück in ihre „ostwestfälische Heimat“. Das Geschichtswerk berichtet über die Zeit vom Tod des Kaisers Augustus bis zum Tod Neros. Der Corveyer Tacitus ist im 16. Jahrhundert das einzig erhaltene Exemplar des Textes überhaupt. Die Medici ließen das Buch aus Corvey nach Florenz entführen, wo es gedruckt und so wieder in zahlreichen Exemplaren verbreitet wurde. Hätte diese eine Kopie in Corvey nicht überlebt, wüssten wir heute zum Beispiel nicht, dass die legendäre Varusschlacht im Jahr 9 nach Christus im Teutoburger Wald stattgefunden hat.

Flankiert werden die mehr als 120 Ausstellungsexponate im Diözesanmuseum Paderborn von virtuellen Interventionen. Sie geben exklusive Einblicke in die Tätigkeit von Restaurator*innen, Forschenden und Naturwissenschaftler*innen, die heute das antike Erbe für uns bewahren. Die Bedeutung und Vielfalt von Schrift und Schriftlichkeit machen aktuelle Arbeiten des international arbeitenden Kalligraphen und Künstlers Brody Neuenschwander deutlich. Ein reich bebilderter Katalog erscheint mit Eröffnung der Ausstellung im Michael Imhof Verlag.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

 

Weitere Informationen unter www.erbe-der-antike.de

 

Pressekontakt im Auftrag des Diözesanmuseums Paderborn

Hendrik von Boxberg, +49 177 7379207, presse@dioezesanmuseum-paderborn.de oder presse@von-boxberg.de / Waltraud Murauer-Ziebach, +49 171 416 8808, w.murauer@arthema.de

 

Pressefotos unter www.dioezesanmuseum-paderborn.de/presse/

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