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Studierende des Historischen Instituts der Universität Paderborn erhielten durch eine besondere Kooperation mit dem Diözesanmuseum Paderborn die seltene Gelegenheit, historischen Objekten ganz unmittelbar zu begegnen. Nicht nur durch die Vitrine, sondern im wahrsten Sinne des Wortes „begreifend“.

Im Fokus standen ausgewählte Stücke aus dem Museumsdepot. Insbesondere Objekte, die selten ausgestellt werden und auf den ersten Blick unscheinbar oder fremd wirken. Doch gerade diese Fremdheitserfahrung regte bei den Studierenden produktive Irritationen und neue Forschungsimpulse an.
Besonders eindrucksvoll: sogenannte Klosterarbeiten. Hierbei handelt es sich um religiöse Objekte der christlichen Volkskunst, gefertigt in Frauenklöstern des 18. Jahrhunderts. Aus einfachen Materialien wie Glasperlen, Papier, Draht und Textilien entstanden aufwendig gestaltete Devotionalien, oft mit kostbaren Reliquienfragmenten im Inneren.

Diese praktische Begegnung mit historischen Artefakten ermöglichte nicht nur neue Zugänge zur Vergangenheit, sondern zeigte auch, wie vielschichtig und faszinierend selbst vermeintlich „unspektakuläre“ Objekte sein können.

Zwei der Studierenden haben ihre Ergebnisse für diesen Blogbeitrag zusammengefasst.

Ein besonderer Reliquienschrein

Eine Objektanalyse von Liv Lischewski

Eine erste Bestandsaufnahme

Das vorliegende Objekt stammt aus der Gruppe der Reliquiare. Es handelt sich um einen Reliquienschrein beziehungsweise einen Reliquienaltar aus dem Jahr 1730, der ursprünglich aus Süddeutschland stammt und aktuell im Depot des Diözesanmuseums Paderborn aufbewahrt wird. Der Hersteller des Altars ist unbekannt. Der Reliquienaltar hat nur wenige kleine Gebrauchsspuren, befindet sich also in einem guten Zustand. Der Reliquienaltar ist nicht in der regulären Ausstellung des Museums zu finden.

Der Reliquienschrein ist in Form eines Altars gestaltet, dessen Maße 81 cm Höhe, 60 cm Breite und 17 cm Tiefe betragen. Umrahmt wird der Reliquienaltar von Zierelementen. Besonders auffällig sind die vielen Schneckenformen und die Säulen auf beiden Seiten. Ergänzt wird diese Zusammensetzung durch drei Fenster. Das mittlere Fenster steht mit der Darstellung des gekreuzigten Jesus Christus und den Reliquien im Mittelpunkt des Altars. Darüber befindet sich ein rundes Fenster, hinter dem ein Kreuzsymbol zu sehen ist. Das unterste Fenster zeigt ebenfalls ein Kreuz.

Zierelemente und Säulen
Oberes Fenster
Mittleres Fenster
Unteres Fenster

Materialvielfalt und Handwerkskunst

Reliquienaltäre wurden oft in Klöstern hergestellt.(1) Dabei handelte es sich oft um Frauenklöster.(2) Für die Erstellung des Altars wurden viele verschiedene Techniken verwendet. Zum einen wurden der Rahmen, die Zierelemente und die Engelsköpfe aus Holz und die Darstellung Christi, hinter dem mittleren Fenster, aus Elfenbein geschnitzt. Das Innere des Altars beinhaltet vielfältige Arten der Herstellung: Die Blumen wurden aus Papier oder Stoff zu einem Ganzen geklebt. Die Abbildungen auf den Medaillons wurden aus Ton produziert. Auf einem der Medaillons ist ein Abbild von Johannes Nepomuk zu sehen, auf einem weiteren wurde ein Satz „O Crux Ave Spes Unica“ verfasst, was übersetzt „O Kreuz einzige Hoffnung, sei gegrüßt“ bedeutet. Dies wurde mit Tinte auf das stoffähnliche Material übertragen. Der Rahmen wurde vergoldet, um den Holzrahmen edler wirken zu lassen. Besonders hinter den Fenstern wurde sehr präzise und detailliert gearbeitet, um ein Zusammenspiel der einzelnen Objekte und ihrer Bedeutung zu schaffen.

Geschnitzte Engel
Medaillon O Crux Ave Spes Unica
Jesus Christus aus Elfenbein

Die Reliquien

Die Reliquien, die sich im Inneren des Altars befinden, sind mit folgenden Namen beschrieben: S. Severa M., S. Columba M., S. Benedicti M., S. Verecundi, S. Bonifcii M., S. Faustini M., S. Deusdedit M. und S. Amanda M. Reliquien umfassen sowohl körperliche Überreste von Heiligen als auch Gegenstände, die mit ihnen in Verbindung stehen.(3) Hierbei handelt es sich um ein Stück Knochen, das durch einen Namenszettel auf die jeweilige heilige Person hinweist. Das Reliquienstück mit dem Namen S. Deusdedit M. stammt zum Beispiel von Adeodatus I. beziehungsweise Deusdedit I. Der Name kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt „Gott hat gegeben“.

Da der Reliquienaltar sehr wertvoll aussieht, lässt sich vermuten, dass er ursprünglich eher in kleinen Kirchen oder Klöstern zu finden war, da diese wichtige Auftraggeber von Klosterarbeiten waren.(4) Es kam aber auch oft vor, dass Herrschende bewusst Sammlungen von Reliquien anlegten, die zum einen dem persönlichen Glauben dienten, zum anderen aber auch als politisches Statement zu verstehen waren. Sie wollten so ihre religiöse und politische Rolle sie im Reich betonen.(5)

Reliquie Adeodatus I.

Von Totenköpfen, Muscheln, Vögeln und Blumen

Der Reliquienaltar hatte nicht nur die Funktion, Menschen vor dem Vergessen zu bewahren und sich durch die Reliquien an sie zu erinnern, (6) sondern enthält sowohl sichtbare als auch versteckte christliche Symbolträger, die dem Reliquienaltar eine noch tiefere Bedeutung verleihen.

Im Inneren des Reliquienaltars sticht ein Totenkopf, der unter Jesus Christus platziert wurde, sehr heraus. Im christlichen Glauben ist er zum einen ein Element der Kreuzigung, zum anderen aber auch ein Zeichen der Sterblichkeit und der Ermahnung zur Buße.(7) Der Totenschädel ist auch ein Zeichen für den Berg Golgotha, der Kreuzigungsstätte von Jesus Christus. Er stellt den Schädel von Adam dar, der auf dem Berg Golgotha begraben war.(8)

Die verschiedenen Muscheln stehen für das Sinnbild der göttlichen Empfängnis Marias. Vor allem das Perlmutt, beziehungsweise die Perlmuschel, steht für das Motto „Rore coelesti foecundor“, was übersetzt „durch den himmlischen Tau werde ich fruchtbar“ bedeutet(9) und so noch einmal auf das Abbild von Jesus Christus und auf das Kreuz im untersten Fenster verweist.

Auch kleine Vögel sind in das Gesamtkunstwerk eingebracht. Im christlichen Glauben stehen Vögel, aber auch andere Tiere, im Zusammenhang mit dem Paradies, der Unsterblichkeit und auch der Auferstehung.(10) Es ist nicht klar, ob der Künstler hierbei gezielt auf die Bedeutung des Vogels abzielte oder diesen als Überbegriff für alle Tiere verwendete.

Kreuze spielen im christlichen Glauben eine große Rolle. Sie werden so gut wie immer mit dem Christentum in Verbindung gebracht und sind oft an Orten wie Gebetsstätten oder Kirchen zu finden. Sie stehen zuallererst für die Kreuzigung Jesu, doch später werden sie als christliches Heilzeichen oder als Richterstuhl Christi bezeichnet. Viele Menschen benutzen das Kreuz, um sich zu schützen, da es auch als Schutz-, Versieglungs- und Weihezeichen gilt.(11)

Ein weiteres wichtiges Symbol im christlichen Glauben sind Blumen, die in dem Reliquienaltar zur Ausschmückung vorgesehen sind, jedoch auch eine tiefere Bedeutung haben. Lilien stehen im Christentum für Reinheit, Rosen für Schamhaftigkeit und Sittsamkeit.(12) Man stellte sie aus verschiedenen Materialien, wie Seide und Papier, her.(13)

Totenschädel
Muscheln
Vogel
Rosen

Ein Fazit

Auf den ersten Blick zeigt der Reliquienaltar nur sein grobes Erscheinungsbild, doch aus verschiedenen Perspektiven treten das Zusammenspiel christlicher Symbolik und seine Bedeutung für die Gläubigen deutlich hervor. Neben der Aufbewahrung von Reliquien bietet er einen heiligen Raum, der Menschen mit Gott und seinen Botschaften verbindet und Hoffnung schenkt. Er repräsentiert sowohl den christlichen Glauben als auch die künstlerische Begabung der Künstler. Ganz gleich, ob man ihn religiös, kunsthistorisch oder ästhetisch betrachtet, bleibt der Reliquienaltar ein bedeutendes Kulturobjekt, das fasziniert, nachdenklich macht, viele Fragen aufwirft und dazu anregt, sich mit seiner Geschichte und Symbolik auseinanderzusetzen.

Inventarkarte Vorderseite
Inventarkarte Rückseite

Fußnoten

1 Heckmann, 1994, Klosterarbeiten – barocke Glaubenszeugnisse unter besonderer Berücksichtigung von Kloster Kirchheim am Ries, S,390.

2 Vgl. Heckmann, 1994, Klosterarbeiten – barocke Glaubenszeugnisse unter besonderer Berücksichtigung von Kloster Kirchheim am Ries, S,389.

3 Vgl. Engelfried Rave, 2023, Reliquien, S.322.

4 Vgl. Heckmann, 1994, Klosterarbeiten – barocke Glaubenszeugnisse unter besonderer Berücksichtigung von Kloster Kirchheim am Ries, S. 390.

5 Vgl. Becher, 2024, Reliquien, Relikte, Ressourcen: eine Kulturgeschichte der Ausstellung menschlicher Knochen zwischen Sakralraum und Museum, S. 252 – 253.

6 Vgl. Ebd., S.330.

7 Vgl. Kirschbaum, 1972, Lexikon der christlichen Ikonographie, S. 343.

8 Vgl. Kirschbaum, 1970, Handbuch der christlichen Ikonographie (Bd. 2: Fabelwesen – Kynokephalen) S.163-165.

9 Vgl. Kirschbaum, 1971, Handbuch der christlichen Ikonographie (Bd. 3: Laban – Ruth), S. 300.

10 Vgl. Kirschbaum, 1972, Handbuch der christlichen Ikonographie (Bd. 4: Saba, König von – Zypresse), S. 316.

11 Vgl. Kirschbaum, 1970, Lexikon der christlichen Ikonographie (Bd. 2: Fabelwesen – Kynokephalen), S. 563-572.

12 Vgl. Kirschbaum, 1971, Lexikon der christlichen Ikonographie (Bd. 3: Laban – Ruth), S. 564.

13 Vgl. Heckmann, 1994, Klosterarbeiten – barocke Glaubenszeugnisse unter besonderer Berücksichtigung von Kloster Kirchheim am Ries, S. 399.

Anna lehrt Maria das Lesen

Betrachtung eines Reliquienbildes von Jule Schlageter

Als ich dieses Objekt das erste Mal betrachtet habe, ist mein Blick sofort auf dem handgemalten kleinen Bild in der Mitte hängen geblieben. Dieses zeigt eine Frau (Anna), die einem kleinen Kind (Maria) aus einem Buch vorliest.

Die Farben Blau, Rot und Gelb sind ein wiederkehrendes Merkmal im gesamten Objekt. Dennoch hat der Zahn der Zeit auch an diesem Objekt genagt und es ist zu vermuten, dass das Reliquienkästchen mal viel farbenfroher war. Zudem wird das Abbild der beiden Figuren, die Mutter und Tochter darstellen, von goldgefärbten Papierstreifen umrandet. Zwischen diesen befanden sich acht „Zettelchen“ (sog. Cedulae) auf denen Namen vermerkt waren, von denen nur noch vier erhalten sind.

Erster Kontakt

Für mich war der erste Eindruck sehr interessant. Zum einen, weil ich mir das Objekt aus nächster Nähe – ohne Glasscheibe zwischen mir und dem Objekt, wie man es normalerweise aus einem Museum gewöhnt ist – anschauen und anfassen durfte. Zum anderen, weil ich die erste Person bin, die sich so tiefgreifend mit diesem individuellen Objekt beschäftigt hat. Für mich ergaben sich nach der ersten Betrachtung weitere Fragen, auf die ich im Kommenden genauer eingehen werde. Zum einen interessiert mich der Kontext des Objektes, also wann, wo und vor allem von wem das Objekt gefertigt wurde. Und damit verbunden, wer genau die auf den Cedulae vermerkten Personen waren und welche Bedeutung diese für das Objekt haben.

Wie alles begann

Das Reliquienkästchen wurde in Süddeutschland in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts hergestellt. Diese Zeit fällt in die Epoche der Aufklärung. Der Zeitgeist dieser Epoche lässt sich unter anderem in der Handarbeit des Reliquienkästchens wiederkennen. Der Blick der Menschen auf die Welt hat sich in diesem Zeitraum verändert, hin zu mehr Vernunft und Rationalität. Der Drang von Frauen nach gelehrtem Wissen wurde immer größer. Die damalige Frau sollte sowohl gebildet als auch intellektuell wirken, obwohl es zu dieser Zeit kaum Mädchenbildung gab. Frauen war die Haushaltsarbeit als Ehefrau vorbestimmt. Als Alternative dazu konnten Frauen in ein Kloster oder ein Frauenstift gehen. Mein zu analysierendes Objekt wurde in einem Frauenkloster dieser Zeit in Süddeutschland hergestellt. Es wurde von Ordensdamen in mühevoller Arbeit angefertigt, wobei der materielle Wert wesentlich geringer war als der zeitliche Aufwand der Herstellung.

Von Frauen über Frauen

Anna liest ihrer Tochter Maria aus einem Buch vor, welches wahrscheinlich das Alte Testament der Bibel darstellen soll. Maria, die zukünftige Mutter Jesu, soll intellektuell und gebildet wirken, da sie den zukünftigen Messias gebären wird.

Auf den vier erhaltenden Cedulae wurden die Name von vier Märtyrerinnen festgehalten:

  • Florentiana v.m.
  • S. Chris Familia v.m.
  • S. Clementia v.m.
  • S. Cornelia v.m.

Dass es sich bei diesen Frauen um Märtyrerinnen handelt, erkennt man an dem beigefügtem „m“ (v. lat. martyr, Märtyrer). Unter christlichen Märtyrer*innen versteht man Personen, die für ihren Glauben an Gott starben. Die Hl. Cornelia beispielsweise war eine frühchristliche Märtyrerin, die wahrscheinlich in Karthago (heutiger Vorort von Tunis in Tunesien) gestorben ist.

Was bleibt?

Das Reliquienbild bringt Anna und Maria in Zusammenhang mit Märtyrerinnen. Bei ihnen allen handelt es sich um Glaubenszeuginnen und damit um Fürsprecherinnen bei Gott. Genau dies ist der Zweck des Reliquienbildes: Es diente als Andachts- und Gebetsbild und veranlasste den gläubigen Menschen immer wieder zu den Heiligen/Märtyrerinnen zu beten, um bei Gott für ein Anliegen zu bitten.

Abschließend kann ich auf jeden Fall sagen, dass durch die genaue Betrachtung meines Objekts, sich viele Dinge auch erst auf den zweiten oder dritten Bick erschlossen haben. Es hat mir gezeigt, dass man geduldig sein muss und nicht frustriert werden sollte, wenn man in einer „Sackgasse“ landet.

 Objektdaten und -beschreibung

  • Titel/Inventarnummer: „Anna Maria das Lesen lehrend“/ V159
  • Gegenstand: Reliquienbild, -kästchen
  • Datierung: 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts
  • Beschreibung: Fokus auf Frau mit Kind im runden Bild in der Mitte des Objekts, eingerahmt in acht identische Sektionen aus Krüll-Mustern, Sektionen werden durch Cedulae abgetrennt, Seiten sind mit punzierten Blumen verziert, Rückseite ist mit Buntpapier beklebt
  • Maße: Durchmesser 9,3 cm, Höhe 2,4 cm
  • Material: Holz, Buntpapier, Papier/Pappe, Stoff/Seide
  • Technik: Krüll-Arbeiten, Punzierung
  • Farbigkeit: Blau, Gelb, Rot, Braun, Gold, Weiß
  • Details/Besonderheiten: nachträglich hinzugefügte handschriftliche Notiz auf der Rückseite „1464“ (alte Inventarnummer)
  • Zustand: Deckel fehlt, vier Cedulae fehlen, Hauptobjekt löst sich aus dem Rahmen, Buntpapier teilweise beschädigt (Zersetzung vom Holzträger), Blumenverzierung teilweise gelöst, Farben sind verblasst.

Literaturverzeichnis

Text 1: Ein besonderer Reliquienschrein

Becher, Friedrich J. (2024). Reliquien, Relikte, Reccourcen: Eine Kulturgeschichte der Ausstellung menschlicher Knochen zwischen Sakralraum und Museum. Bielefeld: transcript Verlag.

Cremer, A., Mulsow, M. (Hrsg.). (2017). Objekte als Quellen der historischen Kulturwissenschaften. Stand der Perspektiven der Forschung. Böhlau Verlag.

Engelfried Rave, U. (2023). Reliquien. In Sebald, G., Berek, M., Rauer, V. (Hrsg.), Handbuch Sozialwissenschaftliche Gedächtnisforschung (Bd. 2, S. 321-334). Springer VS.

Heckmann, D. (1994). Klosterarbeiten – barocke Glaubenszeugnisse unter besonderer Berücksichtigung von Kloster Kirchheim am Ries. In Verein Rieser Kulturtage (Hrsg.), Rieser Kulturtage. Dokumentation (Bd. X, S. 430-477).

Kirschbaum, E. (Hrsg.). (1970). Lexikon der christlichen Ikonographie (Bd. 2: Fabelwesen – Kynokephalen). Herder.

Kirschbaum, E. (Hrsg.). (1971). Lexikon der christlichen Ikonographie (Bd. 3: Laban – Ruth). Herder.

Kirschbaum, E. (Hrsg.). (1972). Lexikon der christlichen Ikonographie (Bd. 4: Saba, König von – Zypresse). Herder.

Schäfer, Joachim (2017): Deusdedit I., Ökumenisches Heiligenlexikon. Zuletzt aktualisiert am 06.07.2017. Online: https://www.heiligenlexikon.de/BiographienD/Deusdedit.html (abgerufen am 27.09.2025).

Text 2: Anna lehrt Maria das Lesen

Angenendt, Arnold: Heilige und Reliquien, München: C.H.Beck 1997.

Cremer, Annette C.: Vier Zugänge zu (frühneuzeitlicher) materieller Kultur. In: Cremer, Annete C./Mulsow (Hg.): Objekte als Quellen der historischen Kulturwissenschaft, Wien u.a.: Böhlau 2017.

Heckmann, Daniela: Klosterarbeiten – barocke Glaubenszeugnisse unter besonderer Berücksichtigung von Kloster Kirchheim am Ries. In: Verein Rieser Kulturtage (Hrsg.): Rieser Kulturtage. Dokumentation, Band X/1994, Nördlingen 1995.

Kunstinventar: Erzbischöfliches Diözesanmuseum, Paderborn.

Meyer, Annette: Die Epoche der Aufklärung, Berlin: Akademie Verlag 2010.

Maas, Elisabeth: Mündliches Zitat, Paderborn 2025.

Sander, Helga/Peschl, Wolfgang: Klosterarbeiten – Tradition, Vorbilder, Anleitungen mit Vorlage, München: Knaur 2006.

Schäfer, Joachim: Heiligenlexikon: Cornelia und Gefährten, online verfügbar unter https://www.heiligenlexikon.de/BiographienC/Cornelia.htm/; zuletzt aufgerufen am 10.7.2025

Vahsen, Mechthilde: Wie alles begann – Frauen um 1800, online verfügbar unter https://www.bpb.de/themen/gender-diversitaet/frauenbewegung/35252/wie-alles-begann-frauen-um-1800/; zuletzt aufgerufen am 10.7.2025.

 

Fotos

© Liv Lischewski, Jule Schlageter, Britta Schwemke

Eine Ausstellung zur Endlichkeit des Lebens mit dem entstehenden VKA Hospiz- und Palliativzentrum PAULINE in Paderborn.
Diözesanmuseum Paderborn | 2. November 2025 – 1. März 2026

Was bedeutet es, vom Leben in den Tod hinüberzugehen? Gibt es eine unsterbliche Seele? Und wer begleitet Menschen auf ihrem letzten Weg? In unserer westlichen Gesellschaft sind Sterben und Tod oft ein Tabu. Vom 2. November 2025 bis zum 1. März 2026 zeigt das Diözesanmuseum Paderborn mit TRAPASSO – HINÜBERGEHEN eine Ausstellung, die Resonanzraum ist für neue Gedanken und Wahrnehmungen zur letzten Lebensphase. Als Partner der Ausstellung bietet der Verbund katholischer Altenhilfe Paderborn e.V. mit dem entstehenden Hospiz- und Palliativzentrum PAULINE ein umfangreiches Begleitprogramm zur Ausstellung an, mit Lesungen, Vorträgen, Musik und Workshops. TRAPASSO – HINÜBERGEHEN bildet den Auftakt zu einer neuen Reihe: Unter dem Label CONNECT# wird das Diözesanmuseum in Zukunft gemeinsam mit unterschiedlichen Kooperationspartner*innen aus der Stadt und der Region Ausstellungen zu gesellschaftlich relevanten Themen gestalten.

Namensgebend für die Ausstellung ist die Arbeit „Trapasso“ des Foto- und Videokünstlers Christoph Brech. Trapasso bedeutet im italienischen so viel wie „ich gehe (über etwas) hinüber“, aber auch „ich sterbe“. „Wir möchten mit diesem Projekt – gemeinsam mit unserem Partner, dem entstehende VKA Hospiz- und Palliativzentrum PAULINE vom Verbund katholischer Altenhilfe Paderborn e.V. – für die letzte Lebensphase von Menschen sensibilisieren“, sagt Kuratorin Christiane Ruhmann. Sie hat u.a. Künstler*innen wie Christoph Brech, Dagmar Boenigk, Walter Schels und Beate Lakotta dafür gewonnen, mit ihren Arbeiten in einen Dialog zu Werken der Museumssammlung zu treten. Darunter beeindruckende mittelalterliche Werke wie die Skulptur „Christus im Elend“, das Tafelbild „Marientod“ des Meisters von Lisborn oder der kunstvoll gearbeitete Tragaltar des Paderborner Doms aus der Zeit um 1120. Insgesamt sind rund 40 Exponate zu sehen. Dazu zählt auch ein Koffer, den das Team des entstehenden VKA Hospiz- und Palliativzentrums PAULINE „für das Hinübergehen” bestückt und der in die Ausstellung integriert wird. An einer partizipativen Station geht es um eine Frage: „Gibt es eine unsterbliche Seele?“

Hospize sind Lebensorte

Der Fotograf Walter Schels und die Journalistin und Autorin Beate Lakotta erforschen mit ihren Arbeiten existenzielle Themen wie Sterben, Vergänglichkeit und Menschlichkeit. Sie begleiteten über zwei Jahre hinweg Sterbende in der letzten Phase ihres Lebens. Die meisten verbrachten die ihnen verbleibende Zeit im Hospiz, einem Ort, dafür geschaffen, dass Todkranke ihre letzte Lebensphase selbstbestimmt und bewusst erleben können. Mit ihrer Erlaubnis machte Schels Porträts der Patient*innen – jeweils vor und unmittelbar nach ihrem Ableben – und schuf so eindrückliche Momente des „Dazwischen“. Sie werden jeweils begleitet von Texten Beate Lakottas, welche die Sterbenden zu Wort kommen lassen und deren Ängste, Hoffnungen und Erfahrungen spiegeln.

Das Verblassen der Welt

Der erste Teil der Ausstellung ist dem Verblassen, dem Vergessen aber auch der sich trotz allem Bahn brechenden Erinnerung gewidmet. Hier finden sich auch die Arbeiten der Künstlerin Dagmar Boenigk. Ihre Werke laden zur Reflexion über Vergänglichkeit, Identität und Wahrnehmung ein. Gemeinsam bilden sie ein Bildgedicht bestehend ausschwebenden, bearbeiteten Textfragmenten und teilweise überdeckten Familienschnappschüssen. Eindrücklich ruft sie damit jene tastende, suchende und verblassende Welt auf, in der sich an Demenz erkrankte Menschen in ihrer letzten Lebensphase befinden. Boenigk wählt als Material zur Überdeckung der Fotografien u.a. Japanpapier. Komplett mit diesem handgeschöpften, durchscheinenden Material überzogen ist auch ein Gemälde aus der Sammlung des Diözesanmuseums. Das Japanpapier schützt hier seine fragile Malschicht, wodurch ebenfalls kaum noch zu erkennen ist, was darauf dargestellt ist.

Vergänglichkeit und Überdauern

Christoph Brech ist mit drei meditativen Videoarbeiten vertreten. Sein Werk „The Wind that Shakes the Barley“ zeigt, wie sich Erinnerungen an geliebte Menschen manifestieren können, auch wenn ihnen kein Raum gegeben werden soll. Dafür hat er Steinmale ungetauft verstorbener Kinder ins Bild gesetzt, die er in rauer irischer Landschaft gefunden hat. In seiner Arbeit „Trapasso“ sind mittelalterliche Grabsteine zu sehen, die seit Jahrhunderten in einer Kirche als Fußbodenbelag dienen. Viele Generationen sind darüber hinweggegangen, haben die Reliefs abgenutzt und bis zur Unkenntlichkeit abgelaufen. Bei „Transito“ schließlich zeichnet Brechs Kamera in eben jener Kirche das tanzende Hin- und Herwehen eines vom Wind geblähten Vorhangs in Bodennähe auf. Immer wieder sind die Beine der Kirchenbesucher*innen zu sehen, die jene Schwelle überschreiten, die das Sonnenlicht von der Dunkelheit im Inneren trennt – die Unruhe von der Ruhe, die Gegenwart von der Vergangenheit.

Umfangreiches Begleitprogramm

Unter dem Leitgedanken geliebt – getragen – getröstet findet eine Reihe von Benefizveranstaltungen statt, um Spenden für das entstehende VKA Hospiz- und Palliativzentrum PAULINE zu sammeln. Das Diözesanmuseum Paderborn unterstützt diese Initiative mit der Ausstellung TRAPASSO – HINÜBERGEHEN. Der Verbund katholischer Altenhilfe Paderborn e.V. steuert das umfangreiche Begleitprogramm zur Ausstellung bei, mit Lesungen, Vorträgen, Musik und Workshops u.a. zum Thema „weiße Trauer“ – dem langsamen Verschwinden von Demenzkranken aus der Welt – sowie Vorträgen, etwa zum assistierten Suizid. Im Shop des Museums können zusätzlich Künstlerdrucke der Werke des Benediktinermönchs Bruder Stephan Oppermann OSB erworben werden, der den Erlös zur 100% dem entstehenden VKA Hospiz- und Palliativzentrum PAULINE spendet. Oppermanns Handdruck mit dem Titel „Caput Mortuum“ ist zudem in der Ausstellung zu sehen. Mit der abstrakten Durchdringung kräftiger Farben thematisiert er hier die Dualität von Werden und Vergehen.

Kommende Veranstaltungen (Auswahl):

  1. November 2025 | 18 – 20 Uhr
    Ein Tag voller Leben – Das neue Tageshospiz in Paderborn:
    Ein Vortrag von Tanja Jochheim M.A. (Projektmanagerin im Bereich Hospiz – und Palliativversorgung)
  2. November 2025 | 14 – 16 Uhr
    Begleiter in der Dunkelheit – als Arzt auf einer Palliativstation: Lesung und Autorengespräch
    mit Prof. Dr. Martin Weber, Mainz
  3. Dezember 2025 | 15 – 17 Uhr
    Depression – eine heilbare Volkskrankheit: Ein Vortrag von PD Dr. med. Stefan Bender

Das Diözesanmuseum Paderborn ist das älteste im deutschsprachigen Raum. 1853 gegründet, bewahrt es eine der umfangreichsten und bedeutendsten Sammlungen mittelalterlicher bis barockzeitlicher Kunst in Deutschland mit Schwerpunkten in den Bereichen Skulptur und Goldschmiedekunst. In den vergangenen 25 Jahren ist es mit seinen großen kunst- und kulturhistorischen Ausstellungen, die internationale Leihgaben in Paderborn zusammenführten, weit über die Region hinaus bekannt geworden.

Das entstehende VKA Hospiz- und Palliativzentrum PAULINE vom Verbund katholischer Altenhilfe Paderborn e.V. entsteht im Herzen Paderborns, eingebettet in den großen Park am Mutterhaus der Schwestern der Christlichen Liebe. Sein Ziel ist es, schwerstkranke Menschen und deren Angehörige einfühlsam und umfassend auf ihrem letzten Lebensweg zu begleiten. Das Angebot reicht vom Tageshospiz über die stationäre Versorgung bis hin zur ambulanten Begleitung sowie einer umfassenden Beratung in ethischen Fragen.

Kontakt Museum

Erzbischöfliches Diözesanmuseum und Domschatzkammer
Markt 17, 33098 Paderborn, Tel. +49 (0) 5251-1251400, museum@erzbistum-paderborn.de

Gruppenführungen buchbar über das Diözesanmuseum Paderborn:
+49 (0) 5251-1251400 | museum@erzbistum-paderborn.de

Öffnungszeiten / Eintritt Dienstag bis Sonntag, 10 – 18 Uhr, jeden ersten Mittwoch im Monat bis 20 Uhr. 4 € / ermäßigt 2 €, freier Eintritt für Kinder bis 12 Jahren siehe dioezesanmuseum-paderborn.de

Für Lesungen / Vorträge / Begegnungen gilt 2 € ermäßigter Eintritt + Spende an das entstehende VKA Hospiz- und Palliativzentrum PAULINE

Pressekontakt im Auftrag des Diözesanmuseums Paderborn
Hendrik von Boxberg, +49 177 7379207, presse@dioezesanmuseum-paderborn.de
Waltraud Murauer-Ziebach, +49 171 416 8808, w.murauer@arthema.de

Pressefotos unter www.dioezesanmuseum-paderborn.de/presse/

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