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  • Westdeutschland, 3. Viertel 14. Jahrhundert
  • Silber, vergoldet
  • Körbecke, Katholische Pfarrkirche St. Pankratius, Inv.-Nr. PR 109

Auf den ersten Blick sieht man es dieser überaus kostbaren Zierarchitektur in Form eines kleinen, mit reichem Gesprenge aus Fialen, Strebewerk und Figuren architektonisch exakt durchgebildeten Zentralbaus nicht an, dass es sich hier um eine Monstranz, also ein Schaugefäß für die konsekrierte Hostie handelt. Zu außergewöhnlich sind Form und Aufbau.

Der feine Dekor ist jedoch nicht Selbstzweck, sondern folgt einem wohldurchdachten Programm. Der Knauf zeigt in von Strebepfeilern gerahmten Nischen Apostel – die geistigen Säulen der Kirche. Das Schaugefäß, eine zwölfseitige, sich nach oben verbreiternde Bergkristallpyxis mit Kuppeldeckel, ermöglicht den Blick auf die Hostie. Geformt als kleiner Zentralbau, ist die Pyxis zugleich als Abbreviatur der Grabeskirche in Jerusalem zu sehen. Die Kristallkuppel wird durch sechs Strebepfeiler mit Wasserspeiern und Engeln auf Fialen gefasst, die auf Lauten und Portativen Sphärenmusik zum Erklingen bringen. Weiter oben, im durchbrochenen, mit Wimpergen besetzten Turm-Baldachin, steht die Gottesmutter mit ihrem Sohn. Die Turmspitze schließlich bekrönt ein Kruzifix, welches wiederum zurück auf die Hostie – den Leib Christi im Zentrum der Monstranz – verweist.

Fotos: Ansgar Hoffmann

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