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Teilnehmer*innen der Arbeitsgemeinschaft Kirchlicher Museen und Schatzkammern mit Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB anlässlich der Jahrestagung 2022 in Paderborn

Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft kirchlicher Museen und Schatzkammern findet erstmals in Paderborn statt / Gottesdienst mit Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB

Die „Arbeitsgemeinschaft Kirchlicher Museen und Schatzkammern“ tagte jetzt erstmals in Paderborn. Zum fachlichen Austausch und zur Stärkung des Netzwerks trafen sich 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem deutschsprachigen Raum. Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB feierte mit den Teilnehmenden in der Kapuzinerkirche einen Gottesdienst. Er dankte – auch im Namen von Erzbischof Hans-Josef Becker – den Verantwortlichen in den kirchlichen Museen und Schatzkammern für deren Einsatz beim Vermitteln von religiöser Kunst und beim Erschließen der religiösen Dimension der Kunst. „Die kunstvollen Objekte in kirchlichen Museen und Schatzkammern bieten Menschen die Möglichkeit zur Begegnung mit Religion und Theologie, mit Transzendenz und Glaube. Für die Sehnsucht des Menschen nach Sinn finden die Künste Ausdrucksweisen in Formen und Farben, Worten und Klängen“, betonte Weihbischof Dominicus.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaft Kirchlicher Museen und Schatzkammern feierten mit Weihbischof Dr. Dominicus Meier OSB anlässlich ihrer Jahrestagung 2022 in Paderborn in der Kapuzinerkirche einen Gottesdienst.

Die Vorträge und Diskussionen der Tagung standen unter dem Motto „Kirchliche Museen und Schatzkammern – Versuch einer Positionsbestimmung“. Die Arbeitsgemeinschaft setzte sich intensiv damit auseinander, was Besucherinnen und Besucher speziell in kirchlichen Häusern erwarten, welche Chancen offene kulturelle Angebote im Spannungsfeld des aktuellen Vertrauensverlustes noch bieten können und welche Relevanz christliche Kunstsammlungen für die Gesellschaft haben. In seinem Vortrag stellte der ‚Director General‘ des Internationalen Museumsbundes ICOM, Dr. Peter Keller, die aktuell entstehende neue Definition von „Museum“ vor. Diskutiert wurden anschließend die besonderen Wesenseigenschaften, Gegenstände und Werte kirchlicher Museen und inwieweit sich daraus spezifische Aufgaben wie die Vermittlung von Glaube und christlichen Werten ableiten können. Lothar van Laak, Professor für Neuere deutsche Literatur und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Paderborn, moderierte die Diskussionsrunden.

Exkursion nach Corvey

Das Erzbischöfliche Diözesanmuseum Paderborn gab als diesjähriger Gastgeber Einblicke in seine Sammlungen sowie in die aktuelle Sonderausstellung der zeitgenössischen Künstler Barbara Klemm und Christoph Brech. Eine Exkursion führte die Gruppe nach Corvey, wo das Welterbe Karolingisches Westwerk mit den Restaurierungsarbeiten sowie den zukünftigen Erschließungsmöglichkeiten mittels neuer Technologien von Professor Dr. Christoph Stiegemann erläutert wurde. Zusammen mit Dr. Anna Veltrup stellte er die geplante Neupräsentation des Kirchenschatzes der Abteikirche vor. Im Anschluss führte der Herzog von Ratibor als Hausherr persönlich durch das Schloss Corvey und seine Schauräume.

Arbeitsgemeinschaft kirchlicher Museen und Schatzkammern

Die 1958 gegründete Arbeitsgemeinschaft kirchlicher Museen und Schatzkammern ist ein Zusammenschluss von Museumsfachleuten, die die Interessen von kirchlichen Museen und Schatzkammern vertreten. Ihre Tätigkeit schließt auch vergleichbare Einrichtungen auf ökumenischer Ebene ein. Die Mitglieder kommen aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Niederlande, Südtirol und Ungarn. Die nächste Jahrestagung soll im Mai 2023 in München/Freising stattfinden.

 

Foto: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

Barbara Klemm und Christoph Brech im Pressegespräch zur Ausstellung “So gesehen” im Diözesanmuseum Paderborn
Zwei außergewöhnliche Künstler:innen verwandeln das Diözesanmuseum Paderborn in einen experimentellen Erfahrungsraum

Das Vermögen, im scheinbar Alltäglichen das Besondere zu erblicken, verbunden mit einer sensiblen, teilnehmenden Sicht auf ihre Motive, ist ein herausragendes Charakteristikum der Fotografin Barbara Klemm und des Foto- und Videokünstlers Christoph Brech. Für die Ausstellung im Diözesanmuseum haben sie zahlreiche ihrer bislang wenig bekannten oder noch gänzlich unbekannten Werke ausgewählt – einige auch neu geschaffen. Ihre Arbeiten treten im Diözesanmuseum Paderborn in einen Dialog miteinander – und mit den Exponaten des Museums. Dieses Zusammenspiel zwischen Fotografie, Videokunst und historischen Kunstwerken zeigt das Diözesanmuseum Paderborn vom 21. Mai bis zum 9. Oktober 2022 in der Sonderausstellung „SO GESEHEN – Barbara Klemm · Christoph Brech“.

Barbara Klemm, eine der bedeutendsten zeitgenössischen Fotografinnen Deutschlands, ist bekannt durch Schwarz-Weiß-Fotografien, die im Bildgedächtnis vieler verankert sind. Sie arbeitet grundsätzlich analog und in kleinformatigen Schwarz-Weiß-Aufnahmen (30 x 40 cm). Nun trifft sie auf Christoph Brech, dessen digitale Bild- und Video-Kunst großformatig und von ausgewogener Farbigkeit ist sowie von subversiven Sounds begleitet wird. In Paderborn nutzen beide die offenen und nach oben aufstrebenden Galerien des musealen Großraumes zu einem furiosen Dialog ihrer Werke, gegliedert nach „Gesprächsthemen“ wie Inspiration, Fragment, Menschen im Museum oder auch Letzte Bilder und Hortus.

Neue Perspektiven

Barbara Klemm ist vielen als die Grande Dame der politischen und gesellschaftlichen Fotografie vertraut. Jahrzehntelang hat sie für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) das Weltgeschehen mit der Kamera eingefangen. Auch ihre sensiblen Aufnahmen von Menschen in aller Welt sind durch zahlreiche Ausstellungen bekannt. In Paderborn aber richtet sie ihren unverwechselbaren Blick auf Skulpturen und Skulpturenfragmente, auf Menschen im Museum, Friedhöfe oder Landschaften und antwortet damit auf Christoph Brechs detailreiche, oft hintergründige Bildkompositionen – meist in überraschendem Gleichklang, mitunter jedoch auch in faszinierendem Kontrast. Christoph Brech begibt sich für diesen Dialog auch mal ins kleine Format oder auf das Gebiet der Grafik. Im Blick der beiden Künstler erweitert sich auch die Wahrnehmung der ausgewählten Exponate des Diözesanmuseums um neue Perspektiven und Bedeutungen.

Und so treffen in der Ausstellung zarte schwarz-weiße Wolkenstudien und Dirigentenportraits auf raumhohe Videos, die zeigen, wie sich feine Lichtbündel zu Klangwolken formen. Da turnen Trapezkünstlerinnen nicht nur vor der zerstörten Ruinenkulisse Rostocks, sondern auch inmitten güldener Engel, die ihrerseits im 18. Jahrhundert in einem Gestänge über einem barocken Festaltar aufgehängt waren. Monde schimmern entrückt über Wellen und Wolken am Horizont, wandern von Amseln vertont als Blutmond über den nächtlichen Himmel oder verwandeln sich in eine Mondsichelmadonna aus der Zeit der späten Gotik. Die Besucher:innen sehen Dialoge zwischen zerstörten Skulpturen aus dem Albertinum in Dresden nach dem Hochwasser 2002 mit Fragmenten aus den Vatikanischen Museen in Rom, dem Gewölbe des Neuen Museums in Berlin mit der Metropolitan Cathedral in Liverpool oder Aufnahmen von dem kolossalen Fuß Kaiser Konstantins aus den Kapitolinischen Museen in Rom – von Barbara Klemm so, von Christoph Brech so gesehen.

Begleitprogramm zur Ausstellung

Die Ausstellung wird von einem museumspädagogischen Angebot begleitet: Neben Führungen für Erwachsene, Familien, Jugendliche, Kinder und Schulklassen stehen kreative Fotokurse für Jung und Alt auf dem Programm. Die beliebte Reihe „Dialoge im Museum“ wird unter dem Titel „Rück-Sichten: Inspiration – Natur – Medium“ weitergeführt. Auf die Kleinen warten die neugierige Handpuppe Amadeus und seine Freundin, die Theaterpädagogin Luisa Roensch. Sie zeigen Kita-Kindern ihre liebsten Fotos, Videos und Skulpturen in der Ausstellung. Unter dem Titel „So gesehen, Baby!“ haben Eltern mit ihren Babys unter einem Jahr die Ausstellung bei Kurzführungen ganz für sich allein.

 

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog im Hirmer Verlag
SO GESEHEN – Barbara Klemm · Christoph Brech, Hg. Holger Kempkens, Christiane Ruhmann, Beiträge u.a. von Hans von Trotha, 240 Seiten, 160 Abbildungen, 23×29 cm, Klappenbroschur, hochwertiges Kunstdruckpapier, ISBN: 978-3-7774-3942-6

Freuen sich auf die Ausstellung und zahlreiche Gästeführungen: Karl Heinz Schäfer (rechts), Geschäftsführer der Tourist Information Paderborn, und Dr. Holger Kempkens (links), Direktor des Diözesanmuseums.
Tourist Information Paderborn übernimmt Vermittlung von Führungen für die neue Sonderausstellung „SO GESEHEN“ im Diözesanmuseum

Ab dem 21. Mai 2022 verwandeln die Fotografin Barbara Klemm und der Künstler Christoph Brech in der Ausstellung „SO GESEHEN“ das Diözesanmuseum Paderborn in einen experimentellen Erfahrungsraum. Bei der Vermittlung von Führungen durch die neue Sonderausstellung wird das Museum durch die Tourist Information Paderborn unterstützt. Dabei handelt es sich um eine bewährte Kooperation: Bei allen großen Ausstellungen der letzten Jahre – von den „Wundern Roms im Blick des Nordens“ über „Die Baukunst der Gotik“ oder zuletzt „Peter Paul Rubens und der Barock im Norden“ – waren die Tourismus-Experten in puncto Führungen stets an der Seite des Diözesanmuseums. Nun freuen sich Dr. Holger Kempkens, Direktor des Diözesanmuseums, und Karl Heinz Schäfer, Geschäftsführer der Tourist Information Paderborn, über die erneute Zusammenarbeit und hoffen auf zahlreiche Buchungen.

„Mit seinen Ausstellungen überregionaler Strahlkraft ist das Diözesanmuseum Paderborn ein beständiges Highlight der Kulturszene Paderborns. Darum freuen wir uns sehr, die Arbeit des Hauses erneut unterstützen zu können“, betont Paderborns Tourismusleiter Schäfer. „Für uns ist es eine große Erleichterung, die organisatorische Kompetenz der Tourist Information bei der Vermittlung von Führungen und auch der Beratung der Besucherinnen und Besucher an unserer Seite zu wissen“, freut sich Museums-Chef Kempkens.

 

Buchung von Führungen zur Sonderausstellung „SO GESEHEN“ sind ab sofort möglich über die
Tourist Information Paderborn
Marienplatz 2a
33098 Paderborn
Telefon 05251 88-12980
tourist-info@paderborn.de
www.paderborn.de/tourismus 

Die Ausstellung: SO GESEHEN

Zwei außergewöhnliche Künstler*innen im Diözesanmuseum Paderborn: Barbara Klemm ist eine der bedeutendsten zeitgenössischen Fotograf*innen Deutschlands. Sie ist bekannt durch minutiös entwickelte, analoge Schwarz-Weiß-Fotografien, die im Bildgedächtnis Deutschlands mittlerweile fest verankert sind. Christoph Brech schafft Video-Filme, Installationen und Farbfotografien von suggestiver Bildkraft, oft begleitet von eigenständigen Sounds. In seinen Werken spiegeln sich Phänomene der Zeit, der Übergänge, der Erinnerung wider. In Paderborn nutzen beide die in großer Geste aufstrebenden Galerien des musealen Großraumes zu einem furiosen Dialog ihrer Werke. Auch ausgewählte Sammlungsstücke des Museums werden in diesen künstlerischen Austausch mit einbezogen.

 

© Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

Das neue Banner zur Ausstellung „So gesehen – Barbara Klemm · Christoph Brech“ hängt !

Museumsdirektor Holger Kempkens und seine Kollegin Britta Schwemke, zuständig für Vermittlung und Museumspädagogik, freuen sich über den Palmesel (Süddeutsch, spätes 15. Jahrhundert).

Noch bis Ostermontag haben Besucherinnen und Besucher die Chance, die einzigartigen Bestände des Diözesanmuseums zu besichtigen, bevor die meisten von ihnen für die nächsten Monate eingelagert werden. Neben einem individuellen Besuch zu den üblichen Öffnungszeiten empfiehlt Museumsdirektor Holger Kempkens die besonderen Angebote zu Themen rund um das biblische Ostergeschehen: Am 9. April können von 14 bis 16 Uhr Kinder im Alter von 7 bis 11 Jahren der Frage nachgehen, warum wir überhaupt Ostern feiern. Dabei entschlüsseln sie als kluge Museums-Spürnasen die Hinweise an Bildern und Skulpturen im Museum. Beim kreativen Teil werden auf ausgeblasene Eier (bitte mitbringen!) mit der Technik des Marmorierens phantastische Muster gezaubert.

Am Palmsonntag, 10. April, steht um 11.30 Uhr die Führung „Genau geschaut“ mit Sammlungskuratorin Elisabeth Maas unter dem Titel „Der Palmesel und andere handelnde Bildwerke“. Es geht um das Nach-Spielen biblischer Geschichten, eine seit dem Mittelalter beliebte Praxis. So wurde etwa – um den Einzug Jesu in Jerusalem nachzuvollziehen – eine geschnitzte Jesusfigur auf einen Holzesel gesetzt und auf einem Rollbrett in Prozession durch die Stadt gezogen.

Erstmalig gibt es am 12. April einen Aktionstag in den Osterferien zusammen mit dem Heinz Nixdorf MuseumsForum. Unter dem Motto „Skulptur trifft Roboter“ starten die Kinder im Alter von 8 bis 10 Jahren um 10 Uhr im Diözesanmuseum. Sie dürfen jahrhundertealte Skulpturen untersuchen und dokumentieren Farbreste und fehlende Holzteile. Danach werden sie selbst zu bewegten Figuren, indem sie Skulpturen nachstellen. Im Anschluss geht es zu den Robotern ins HNF.

Die letzte öffentliche Führung vor der vorübergehenden Schließung des Diözesanmuseums findet am Karsamstag, 16. April, statt. Museumsführer Hans-Hubert Rohde fokussiert den Rundgang auf Darstellungen zu den biblischen Ostergeschehnissen. Extra dafür werden erstmals seit längerem zwei Highlights wieder zu sehen sein: Der „Volkreiche Kalvarienberg“, ein Gemälde des Gert van Lon von 1520/1530, und die Skulptur „Auferstehung Christi“ vom Ende des 14. Jahrhunderts.

Bild und Text: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

Zwei Kirchenmaler-Gesellinnen besuchen auf ihrer Walz das Erzbischöfliche Diözesanmuseum in Paderborn.

Kirchenmalerinnen auf der Walz bewundern Paderborner Dom und Erzbischöfliches Diözesanmuseum

Ihre traditionelle Walz führt die beiden Handwerksgesellinnen Sophia (26) aus Würzburg und Anne (23) aus Mühlhausen in Thüringen innerhalb von mindestens drei Jahren und einem Tag durch Deutschland und Europa. Dass die beiden Kirchenmalerinnen auf ihrem Weg einen Abstecher nach Paderborn machen und den Hohen Dom und das Erzbischöfliche Diözesanmuseum besuchen, gehört für die beiden Frauen zu ihrer Walz dazu. Museumsdirektor Holger Kempkens hieß die beiden Kirchenmaler-Gesellinnen am Donnerstag, 31. März 2022, willkommen und freute sich über deren fachkundige Rückmeldung: „Die zahlreichen mittelalterlichen Madonnendarstellungen im Museum sind wunderschön. Wir sind beeindruckt von der Sammlung und vom Paderborner Dom“, so die beiden Kirchenmalerinnen.

Sophia aus Würzburg ist seit zehn Wochen auf der Walz, Anne aus Mühlhausen in Thüringen seit sieben Wochen. In unterschiedlichen  Betrieben absolvierten sie ihre Ausbildung zur Kirchenmalerin. Sie lernten sich in der einzigen Berufsschule für Kirchenmaler kennen, diese besuchten sie in München. Auf ihrer Walz kommen sie aktuell aus dem Ahrtal, wo sie in Handwerksbetrieben gearbeitet haben, und sind jetzt auf dem Weg nach Norddeutschland. Sophie informiert über die traditionelle Kleidung auf der Walz: „Das form- und farbgebende Gewerbe trägt rot, daran erkennt man Schneider-, Maler- und Kirchenmaler-Gesellen. Mindestens drei Jahre und einen Tag werden wir auf der Walz sein, erst dann kommen wir wieder zum Ortsschild unseres Heimatortes.“

Museumsdirektor Holger Kempkens wünschte den beiden Frauen viele gute und bereichernde Begegnungen. Mit Freude bestätigt er beiden Kirchenmalerinnen ihren Besuch im Dom und im Diözesanmuseum mit einem Stempel.

Hintergrund: Was ist eine Walz?

Mit dem Begriff Walz ist die Zeit der Wanderschaft von Zunft-Gesellen nach dem Abschluss ihrer Lehrzeit (Freisprechung) gemeint. Vom Spätmittelalter bis zum Anfang der Industrialisierung war sie eine der Voraussetzungen für die Zulassung zur Meisterprüfung. Dadurch sollte gewährleistet werden, dass die Gesellen neue Arbeitspraktiken in fremden Orten, in Regionen und Ländern kennenlernen. Hinzu kommt das Sammeln von Lebenserfahrung.

 

Bild und Text: Thomas Throenle / Erzbistum Paderborn

Drei Prämonstratenser aus Windberg (Niederbayern) besuchten am 11. Februar unsere Ausstellung „Welt und Zeit gestalten“.
Der ehemalige Generalabt des Ordens Thomas Handgrätinger (rechts), Pater Simon Rupprecht (Mitte) und Bruder Raphael Sperber (links) wurden von Prof. Johannes Meier und Museumsdirektor Holger Kempkens (nicht auf dem Foto) durch die Ausstellung begleitet. Die Drei zeigten sich begeistert von den in der Ausstellung zusammengeführten Exponaten und den daran vermittelten Inhalten zur Geschichte des Prämonstratenserordens im Erzbistum Paderborn.
Vielen Dank für den Besuch!

Barbara Klemm ∙ Christoph Brech

Die Dinge haben eine Bestimmung, und die kommt aus dem Sehen! Dieser einst so prägnant vom Künstler Fritz Schwegler (1935–2014) formulierten Maxime haben sich Barbara Klemm wie auch Christoph Brech in ihrem jeweiligen Oeuvres verschrieben. Beiden gelingt – in der Verdichtung des Bildaufbaus zu einer oft weit über das Sujet hinausweisenden Aussage – ein ganz besonderer Blick auf Menschen, Landschaften und Kunstwerke.

Barbara Klemm ist eine der bedeutendsten zeitgenössischen Fotografen Deutschlands. Sie ist bekannt durch minutiös entwickelte, analoge Schwarz-Weiß-Fotografien, die im Bildgedächtnis Deutschlands mittlerweile fest verankert sind – genannt sei hier der berühmte „Bruderkuss“ aus dem Jahr 1979.

Christoph Brech schafft Video-Filme, Installationen und Farbfotografien von suggestiver Bildkraft. In seinen Werken spiegeln sich Phänomene der Zeit, der Übergänge, der Erinnerung wider. Die Musik spielt dabei eine große Rolle. Zuletzt schuf er eine Serie von Arbeiten für die Bayerische Staatsoper in München.

Beide vermögen mit einem hohen Maß an Sensibilität, Details zu sprechenden Bildkompositionen zusammenzuführen, die eine große Sogwirkung entfalten.

Im Diözesanmuseum Paderborn mit seinem offenen, emporstrebendem Innenraum trifft beider Werk zu einem spannungsreichen Dialog aufeinander. Zwischen Digital und Analog, bewegtem Bild und Fotografie, Farbe und Schwarz/Weiß. In die Ausstellung werden einige ausgewählte Objekte der Sammlung des Diözesanmuseums einbezogen, die sich so völlig neu präsentieren.

Von 20. Mai bis 02. Oktober 2022 wird die Ausstellung im Diözesanmuseum zu sehen sein. Der Katalog erscheint im Hirmer Verlag.

Barbara Klemm, * 1939, absolvierte eine Fotografenlehre in einem Portraitatelier in Karlsruhe. 1959 begann sie für die Frankfurter Allgemeine Zeitung zu arbeiten und war dort mehr als 30 Jahre Redaktionsfotografin für die Bereiche Politik und Feuilleton. Ihre Werke wurden und werden darüber hinaus in zahlreichen Ausstellungen präsentiert. Die vielfach ausgezeichnete Fotografin ist Mitglied der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg und erhielt 2021 den Internationalen Folkwang-Preis. 2011 wurde Barbara Klemm in den Orden Pour le mérite aufgenommen.

Christoph Brech, * 1964, studierte Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste München. Seit 1998 bilden Video-Kunst und -Installationen neben der Fotografie einen Schwerpunkt seines Schaffens. Seine Werke sind in internationalen Ausstellungen aber auch im öffentlichen Raum zu sehen. Christoph Brech erhielt zahlreiche Preise, u.a. 2018 den Kunstpreis Berlin in der Sektion Film und Medienkunst, Akademie der Künste Berlin. 2006 war er Stipendiat der Villa Massimo in Rom.

Neue Sonderausstellung im Diözesanmuseum Paderborn:
„BildKlang Kölner Dom – Lumen Fidei“ von Wolfgang Weiss und Simon Stockhausen

Paderborn (pdp). „Lumen Fidei – Photo Qubits – Fenster des Kölner Doms“, unter diesem Titel präsentiert das Diözesanmuseum Paderborn ab Donnerstag, 22. Juli 2021, eine bildstarke Sonderausstellung, die bis zum 10. Oktober zu sehen ist. Drei Meter große Werke des Fotokünstlers Wolfgang Weiss schmücken die Ausstellungswände und laden ein, die Fenster des Kölner Doms mal anders zu sehen. In einer Videoshow verbinden sich die Fotos mit einer musikalischen Inszenierung durch Simon Stockhausen.

Vieltönig, wirbelnd, fließend zeigen sich die Fenster des Kölner Doms im Raum-Zeit-Spiegel des Fotokünstlers Wolfgang Weiss. Es ist, als gäbe das Licht den Weg frei für eine Expedition zur Wirkung hinter der Wirklichkeit. Das von außen durch das Domfenster scheinende Licht verbindet sich im gebogenen Spiegel zu einer neuen Wirklichkeit, einer anderen Erscheinungsform des Domfensters, die Wolfgang Weiss fotografisch fixiert. Das natürliche Licht – “lumen naturale” – wird zum Licht des Glaubens – “lumen fidei”.

Die Ausstellung BildKlang Kölner Dom ist eine Co-Kreation von Wolfgang Weiss und dem Komponisten Simon Stockhausen, der Tonfolgen, Klangverläufe und Rhythmen direkt aus den Bildwerken ableitet, seine surrealen Klanglandschaften sind in einer Videopräsentation zu hören. „Wir konnten die Ausstellung in wenigen Wochen verwirklichen“, freut sich Dr. Holger Kempkens, Leiter des Erzbischöflichen Diözesanmuseums, bei der Eröffnung. Auch Fotokünstler Wolfgang Weiss war überrascht, wie unkompliziert der Vorgang war. Nach Köln und Düsseldorf ist nun Paderborn die dritte Station, auf der 14 Großbilder gezeigt werden. Ein anderer Teil dieser Fotofolge ist ab dem 31. August im Düsseldorfer Landtag zu sehen.

„Kathedrale des Lichts“

Die Uraufführung der aktuellen Arbeit der beiden Künstler Weiss und Stockhausen wurde dem Kölner Dom als Kathedrale des Lichts gewidmet. BildKlang ist eine Symbiose aus Bildern und Klängen. Fenster eines Doms sind für Wolfgang Weiss Lichtfilter von draußen nach drinnen. Sie sorgen für eine sakrale Stimmung und erzählen eine Geschichte – diese Wahrnehmung versucht der Künstler in einem eigenen Stil umzusetzen. Über den Spiegel bekämen sie eine neue Form, so Weiss, der mit dem Rücken zum Fenster in den Spiegel schaut und seine Entdeckungen macht. Das Bild müsse ihm etwas sagen. Er schaffe damit neue Wirklichkeiten, obwohl er lediglich fixiere, was er momentan sehe.

Wolfgang Weiss sucht seine Motive durch einen 50×70 konkaven und verbiegbaren Spiegel. Er schaut hinein, empfindet ein Bild und fotografiert dies schließlich mit einer Kamera vom Spiegelbild ab. „Kein Photoshop, keine Trickserei – sondern nur eine Originalabbildung des Bildes auf dem Spiegel“, lässt sich Weiss in seine Technik blicken. Dabei begibt er sich jedoch auf die Suche, schaut immer wieder neu, achtet auf Standort und Lichtverhältnisse. Unschärfe als Stilmittel sei erlaubt. Jedoch könne ein Foto auch mehrere scharfe Punkte in der Tiefe haben. Was nun wiederum ein Unterschied zu einer normalen Fotografie mit Tiefenschärfe sei. Weiss: „Wenn ich Maler wäre, dann wäre der Spiegel mein Pinsel.“

Interesse an der Quantenphysik

Es sei keine reine Fotokunst, sondern eine Arbeit mit spiritueller Note, ergänzt Museumsdirektor Kempkens. Einerseits muteten die Bildwerke an wie eine kurvige Grenzlinie zwischen Immanenz und Transzendenz. Andererseits erwiesen sie sich als fließender Übergang. Aus einem naturwissenschaftlichen Hause kommend, war Wolfgang Weiss schon immer an der Quantenphysik interessiert, die ihn zur neuen Stilrichtung der “Photo-Qubits inspiriert habe. „Die Raum-Zeit-Biegung hat mich stets fasziniert“, so Weiss, der bei sich selbst erkannt hat, dass Beobachter durch das Beobachtende beeinfluss sind. Diesen Spirit wünscht er auch den Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung im Diözesanmuseum.

Wäre ein solches Werk auch im Paderborner Dom möglich? Der Künstler zeigt sich interessiert und hat auch schon an zwei Fenstern im Hohen Dom Gefallen gefunden. Auch das „Drei-Hasen-Fenster“ hat sein Interesse geweckt.

Vita

Wolfgang Weiss

Wurde 1956 in Hungen geboren. Von 1975-79 studierte er in Dortmund Foto-/Filmdesign und machte seinen Abschluss als Diplom Designer. Nachfolgend arbeitete er als selbständiger Foto- und Filmdesigner mit dem Schwerpunkt Industriefotografie. Seit 2012 arbeitet als freischaffender Künstler. Die innere Quelle menschlicher Wirkkraft, Tugenden und spirituelle Fragen bestimmen seine Werke.  Folgende Auszeichnungen erhielt Weiss u.a.: Deutscher-Jugend-Fotopreis Photokina in Köln, Kodak-Kalender-Preis für surrealistische Industrie-Fotografie in Stuttgart, Ferrari-Foto des Jahres in Düsseldorf sowie 2. Preis Medical-Picture der Photokina Köln.

Simon Stockhausen

Wurde 1967 in Bensberg bei Köln geboren. Schon als Fünfjähriger begann der Sohn des berühmten Komponisten Karlheinz Stockhausen mit seiner musikalischen Ausbildung u.a. mit Klavier, Saxophon, Schlagzeug, Synthesizer und Komposition. Erste Auftritte mit seinem Vater folgten im Alter von 12 Jahren zum Beispiel an der Mailänder Scala. Nach dem Abitur tourte er mit dem Stockhausen-Ensemble in alle Welt. Simon Stockhausen produzierte zusammen mit seinem Vater auch elektronische Musik für zwei Opern.

Audio Statements von Dr. Holger Kempkens und Wolfgang Weiss

Museumsdirektor Dr. Holger Kempkens (l.) vor den Werken des Künstlers Wolfgang Weiss – mit seiner Ehefrau Petra – im Diözesanmuseum Paderborn.  Foto: Ronald Pfaff / Erzbistum Paderborn

8. Juli 2021

Studierende des Instituts für Romanistik der Universität Paderborn präsentieren Museumskoffer für den Einsatz in Schulen im Diözesanmuseum Paderborn

Im Diözesanmuseum unvergessen ist die letztjährige Rubensausstellung, die – fast wie geplant und Corona zum Trotz – großartige Werke des bedeutenden Antwerpener Künstlers und seiner Nachfolger in Paderborn präsentieren konnte. Eine besondere Aktion hatten sich damals Studierende des Instituts für Romanistik und des Belgienzentrums der Universität Paderborn mit ihrer Dozentin Professorin Sabine Schmitz überlegt: Die Präsentation barocker Lebenswelten in großen Schrankkoffern.

„Nachdem die Corona-Pandemie die Umsetzung des Projektes verhinderte, sind wir sehr dankbar, dass die Macherinnen und Macher sich bereit erklärten, es nun doch noch im Diözesanmuseum zu präsentieren“, freut sich Museumsdirektor Holger Kempkens.

Es entstanden drei facettenreiche Kofferwelten, welche von den Studierenden und ihrer Professorin Sabine Schmitz gemeinsam mit Holger Kempkens am heutigen Donnerstag, 8. Juli 2021, im Diözesanmuseum vorgestellt wurden.

Erarbeitet in spanisch- bzw. französischsprachigen Seminaren und künstlerisch mitgestaltet von Cathrin Spönemann vom Fach Kunst der Universität Paderborn, sind die Koffer für den Schulunterricht gedacht.

Ins „Große Welttheater“ des spanischen Barockautors Calderón de la Barca entführt der erste Koffer. „Dem Barock war das ganze menschliche Leben ein Bühnenstück, eine Inszenierung und eine solche kann von den Nutzerinnen und Nutzern des Koffers mittels zahlreicher Requisiten interaktiv realisiert werden“, erläutert David Schwind, der an der Konzeption dieses Koffers beteiligt war. Bedenkt man die große Rolle, welche die mediale Selbstdarstellung des Einzelnen im Internet heutzutage spielt, ist dies ein Konzept, das einem schulischen Publikum des 21. Jahrhunderts leicht zugänglich ist.

In Spanien und in der Beziehung Spaniens zu Lateinamerika spielt der Barock bis heute eine große Rolle für die Konstruktion kultureller Identität(en). Dies zeige der zweite Koffer anhand spannender Angebote und Aufgaben, so Alina Höveken, mit verantwortlich für dessen Inhalt. Hier kann man sich nicht nur der dunklen Seite des Barock annähern oder Rätsel lösen. Bedient man eine Spieluhr, erklingt barocke Musik, zur barocken Prachtentfaltung am eigenen Leib wird entsprechende Kleidung samt Spiegel bereitgehalten.

Der dritte Koffer schließlich trägt den Titel „Französischer Barock/französische Klassik“, und bietet einen kulturhistorischen Überblick. Auch der große Antwerpener Maler Peter Paul Rubens wird gebührend gewürdigt; es gibt sogar ein Interview mit dem Rubensexperten Nils Büttner zum Nachhören. „Doch nicht nur kulturelle Errungenschaften werden präsentiert“, führt Lisa Antpöhler, beteiligt an der Ausgestaltung dieses Koffers, aus: „Sozialgeschichtlich relevant werden die sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten adeliger und nicht-adeliger Frauen in der Barockzeit für Schülerinnen und Schüler lebendig.“

Zu den Koffern gibt es zusätzlich noch Kurzfilme der beteiligten Studierenden zu sehen.

Die kleine Ausstellung im Diözesanmuseum ist nur der Auftakt: Wie Professorin Schmitz erläutert, sind die drei Koffer für den Einsatz in Schulen gemacht. Sie sollen Schülerinnen und Schülern die Epoche Barock in ihren verschiedenen Facetten interaktiv näher bringen. Die Koffer können von Lehrkräften ausgeliehen (z.B. in den Fächern Spanisch, Französisch, Kunst, Geschichte) und im Unterricht verwendet werden.

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