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Paderborn, 16.12.2022

Das Naumburger Marienretabel

Triegel ‚trifft‘ Cranach

17. Dez. 2022 bis 11. Juni 2023

Pressevorbesichtigung: 16. Dez. 2022, 14:00 Uhr

Das Diözesanmuseum Paderborn zeigt vom 17. Dezember 2022 bis 11. Juni 2023 das spektakuläre Marienretabel aus der UNESCO Welterbestätte Naumburger Dom. Dabei handelt es sich um einen neu zusammengefügten Altaraufsatz zweier bedeutender Maler: Die beiden Seitenflügel schuf Lucas Cranach der Ältere (1472-1553); die Bilder des Mittelteils und der Predella malte der Künstler Michael Triegel (*1968). Der Altaraufsatz wurde am 4. Juli 2022 im Westchor des Naumburger Doms auf dem dort vorhandenen, mittelalterlichen steinernen Altartisch aufgestellt. Damit hatte der Naumburger Westchor sein liturgisches Zentrum zurückgewonnen!

Deutliche Kritik an der Neuaufstellung kam insbesondere seitens des Internationalen Rats für Denkmalpflege (ICOMOS), der die Einhaltung von Vorgaben für UNESCO-Welterbestätten prüft. Aufgrund der kontroversen Diskussionen wurde das Altarretabel am 5. Dezember 2022 wieder abgebaut. Es soll nun vorübergehend in anderen Städten präsentiert werden – erste Station ist Paderborn. Die Diskussion um die Aufstellung in Naumburg wird fortgesetzt. 

Lucas Cranach

Im Jahr 1517 erhielt Lucas Cranach den Auftrag, für den Westchor des Naumburger Doms einen neuen dreiflügeligen Altaraufsatz zu schaffen. Hintergrund war die Umgestaltung des Naumburger Westchors als Grabkapelle für Johannes von Schönberg, der von 1492 bis zu seinem Tod 1517 das Amt des Bischofs von Naumburg innehatte. Im Zuge dieser Umgestaltung wurden die beiden im Westchor vorhandenen Nebenaltäre abgebaut, da sie die Neugestaltung behinderten. Cranach nahm die heiligen Patrone dieser Altäre in das Bildprogramm seines neuen Altarretabels auf und stellte sie auf den Flügeln dar: Es sind der Apostel Jakobus der Ältere, die hl. Katharina, die hl. Maria Magdalena. Neben diesen Bildzeugnissen geben auch Schriftquellen Auskunft über die Nebenaltäre und ihre Patrozinien im Westchor vom 13. bis Anfang des 16. Jahrhunderts. 

Mittelpunkt des Altaraufsatzes von Cranach war eine Darstellung der Gottesmutter Maria, die seit dem 13. Jahrhundert als Patronin des Westchors verehrt wird. Ihr war dieser einzig verbliebene Altar im Westchor geweiht. Am Marienretabel von Cranach war somit die Jahrhunderte alte liturgische Tradition des Naumburger Westchors abzulesen. 

In der Reformationszeit Anfang des 16. Jahrhundert vertraten viele reformatorisch überzeugte Theologen das biblische Bilderverbot. Es geht zurück auf das 1. Gebot des Dekalogs und bedeutet, dass Gläubige keine bildliche Darstellung von Gott anfertigen dürfen. Übertragen wird das Verbot auch auf biblische Personen wie Maria und andere gottesfürchtige Menschen, die als Heilige verehrt werden. In Folge dieser Auffassung führten Bilderstürme zur Zerstörung vieler Kunstgegenstände in den Kirchen. Auch der Kurfürst von Sachsen, Johann Friedrich I. der Großmütige, veröffentlichte einen entsprechenden Erlass. So kam es 1541 in Naumburg dazu, dass sich der evangelische Superintendent Nikolaus Medler mithilfe der Fleischerinnung gewaltsam Zugang zum Naumburger Dom verschaffte. Sie entfernten und zerstörten verschiedene Mariendarstellungen, zu denen auch der Mittelteil des Cranach-Retabels zählte. Die Altarflügel blieben hingegen erhalten.

Lucas Cranach der Ältere (um 1472-1553) gehört mit seiner Werkstatt in Wittenberg zu den erfolgreichsten und produktivsten Malerbetrieben seiner Zeit. Als Hofmaler der Kurfürsten von Sachsen (ab 1505) erhielt Cranach zahlreiche Aufträge, vor allem zur Anfertigung von Porträts seiner Dienstherren. Seine enge Freundschaft zu Martin Luther und sein Kontakt zu weiteren Reformatoren machten ihn zum bevorzugten Künstler der Reformation. Groß ist die Anzahl der von ihm und seiner Werkstatt produzierten Porträts von Luther und Melanchthon. Für seine Altargemälde schuf Cranach eine protestantische Bildersprache: im Mittelpunkt standen jetzt vor allem Heilstaten wie die Kreuzigung und Auferstehung Jesu und besonders das Letzte Abendmahl. 

Die beiden Naumburger Altarflügel von 1519 gehören zu Cranachs vorreformatorischen Bildern. Der rechte Flügel zeigt auf der Vorderseite den Apostel Jakobus den Älteren mit Pilgerhut, Wanderstab und Rosenkranz sowie die hl. Maria Magdalena mit dem Salbgefäß. Beide stehen vor Goldgrund, der bewährten Folie für Repräsentation und Festlichkeit einerseits sowie der überzeitlichen Präsenz des Göttlichen andererseits. Im Vordergrund kniet als einer der beiden Stifter des Altarretabels Johannes III. von Schönberg, der von 1492 bis zu seinem Tod 1517 Bischof von Naumburg war. Der rote Talar und das Birett in den Händen kennzeichnen ihn als Kleriker; die Insignien seiner Amtswürde sind die Bischofsmitra und der Bischofsstab, die oberhalb seines Wappens dargestellt sind. Bischof Johannes hatte testamentarisch verfügt, im Westchor des Doms bestattet zu werden und einen neuen Marienaltar aufzustellen, für dessen Finanzierung er ebenfalls sicherstellte. 

Der linke Altarflügel zeigt als stehende Heilige die Apostel Philippus mit Kreuzstab und Jakobus den Jüngeren mit Buch und Walkerstange. Der vor ihnen kniende Stifter ist Philipp von der Pfalz aus dem Hause Wittelsbach, der von 1518-1541 als vorletzter katholischer Bischof von Naumburg amtierte. Dargestellt wird er hier mit schwarzem Talar, über dem ein Pelzkragen liegt. Mitra und Bischofsstab über seinem Wappen weisen auf sein Amt hin. Bereits seit 1498 war Philipp außerdem Bischof von Freising, das auch sein überwiegender Aufenthaltsort war. Die Außenseiten der Flügel zeigen links die hl. Katharina mit Schwert und dem zerbrochenen Rad zu ihren Füßen, rechts die hl. Barbara mit einem Messkelch, den sie ehrfürchtig mit verhüllten Händen hält. 

Cranachs Meisterschaft als Maler zeigt sich beispielsweise in der differenzierten Darstellung der modischen Gewandstoffe, des komplexen Goldschmucks und der lockigen Haarsträhnen. Überzeugend wirken in ihrer unterschiedlichen Oberflächenerscheinung Samt und Brokat, Seide und Leinen. Feinste Muster und Details sind an den Mitren und dem Schmuck der Frauen wahrzunehmen. Die Gesichter aller Dargestellten wirken ernst und würdevoll. Das blasse Inkarnat lässt die heiligen Frauen zart und keusch erscheinen. 

Michael Triegel

Michael Triegel (*1968) studierte an der renommierten Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst zunächst (1990-1995) bei Arno Rink und später (1995-1997) als Meisterschüler von Ulrich Hachulla, einem der wichtigsten Vertreter der zweiten Generation der Leipziger Schule. Studienreisen führten Triegel nach England, in die Schweiz und immer wieder nach Italien. Triegels äußerst feine, lasierende Malweise nimmt besonders Bezug auf die Malerei der italienischen Renaissance. Die realistische Wiedergabe vor allem von Physiognomien, Stoffen und Alltagsgegenständen zeugt von hoher technischer Perfektion des Künstlers. Er malt überwiegend in Mischtechnik mit Öl-, Acryl- und Eitemperafarben.

Zu Triegels Bildsujets gehören Stillleben, Themen aus der antiken Mythologie, der Literatur und der christlichen Ikonographie. Oft führt der Künstler in seinen Arbeiten unterschiedliche Elemente in überraschender Weise zusammen. Er möchte Fragen aufkommen lassen und durchaus auch Irritationen auslösen.

Triegel, der sich noch 2012 als Atheist bezeichnet hat, führte mehrere Altarbilder für Kirchen aus und setzte sich für diese Aufträge mit christlichen Bildprogrammen und Texten auseinander. Die intensive Beschäftigung mit dem christlichen Glauben führte ihn selbst auf einen persönlichen Glaubensweg, auf dem seine katholische Taufe 2014 in Dresden ein besonderes Ereignis darstellt. 

Bildtafeln von Michael Triegel

Michael Triegel wurde 2018 von den Vereinigten Domstiftern zu Merseburg und Naumburg und des Kollegiatstifts Zeitz beauftragt, den mittleren Teil für das wiederherzustellende Naumburger Marienretabel anzufertigen. 

Zur Findung eines geeigneten Bildprogramms fanden Gespräche zwischen dem Künstler und Theologen aus dem Domkapitel statt. Das Ergebnis zeigt eine Entwurfsskizze Triegels für die Vorderansicht des Retabels, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist. Hauptgedanke war die Versinnbildlichung der von allen gebildeten Gemeinschaft, die sich um das Zentrum des von Maria neugeborenen Erlösers versammelt. Das vollendete Retabel weicht nur wenig vom ersten Entwurf ab.

Wichtige Vorbereitungsphasen im Schaffensprozess für die Altarbilder sind für Triegel seine Reisen nach Italien und Jerusalem. Hier begegnet er Kunstwerken und Künstlerkollegen sowie Menschen auf den Straßen, von denen er Skizzen anfertigt, um sie im später entstehenden Werk einzufügen. Ebenso fasziniert ihn die lebendige Religiosität, der er sich einerseits zugehörig fühlt und die ihn dennoch immer wieder überrascht. 

Das Altarretabel zeigt auf der Vorderseite zentral die thronende Maria, die dem Betrachter das Jesuskind entgegen hält. Modell für Maria war Triegels 16jährige Tochter. Die Frau rechts hinter ihr stellt Marias Mutter Anna dar; Modell stand Triegels Ehefrau und somit die Mutter der jungen Frau. Das Bildthema der Maria mit Kind, umgeben von heiligen Personen, wird als „Sacra conversatione“ („Heilige Unterhaltung“) bezeichnet – ein beliebtes Bildthema der italienischen Renaissance. Auf der Naumburger Bildtafel sind von den insgesamt dreizehn Maria umgebenden Personen einige durch Attribute identifizierbar: die hl. Elisabeth von Thüringen mit Rosenblüten in Händen, die hl. Agnes mit Lamm, der Apostel Petrus mit Schlüssel und der Apostel Paulus mit Buch. Links von Maria dargestellt ist der evangelische Theologe und Märtyrer Dietrich Bonhoeffer, den Triegel nach Fotoaufnahmen malte. Ganz links im Bild zu sehen ist ein Junge von der Insel Procida, bekleidet mit der Tracht für die dortige große Karfreitagsprozession. Die Frauen hinter ihm gehören zu den Sponsor*innen des Altars. Den Apostel Petrus mit Basecap (rechts) malte Triegel nach der Begegnung mit einem Bettler in Rom und für den Apostel Paulus neben ihm war ein Jude an der Jerusalemer Klagemauer sein Vorbild. Die Menschen halten ein kostbar gestaltetes Tuch hoch, das als Ehrentuch bezeichnet werden kann und die Wertschätzung der Menschen gegenüber Mutter und Kind ausdrückt. Im Bildvordergrund musizieren zwei Kinder auf Laute und Flöte. Ein weiteres Kind hält ein Schriftband, auf dem die Anfangsworte des Lobgesangs der Maria zu lesen sind „Magnificat a(n)i(m)a mea“ – „Meine Seele preist (den Herrn)“. Der biblischen Überlieferung nach (Lk 1, 46-55) spricht die schwangere Maria diese Worte zu ihrer Verwandten Elisabeth, die ebenfalls ein Kind erwartet, das als Johannes der Täufer noch vor Jesus den Menschen Gottes Wort predigen wird. Zu Marias Füßen windet sich eine Schlange, die zwar bedrohlich ihr Maul aufreißt und die spitzen Zähne zeigt, die aber von Marias Fuß fixiert und somit unschädlich gemacht wird. Angespielt wird hier auf die Schlange im Paradies, deren Verführung die Sünde in die Welt gebracht hat. Der Gottessohn Jesus, geboren von Maria, gilt als der erwartete Erlöser von dieser Sünde. Jesu Erlösungstat ist das Thema der Rückseite des Retabels. Dargestellt ist der von den Toten auferstandenen Jesus Christus. Sein Körper trägt – kaum sichtbar – die Spuren der Kreuzigung an Händen und Füßen sowie die Seitenwunde. Beinahe makellos und überzeitlich erscheint Jesus mit segnender rechter Hand. Der Maler hat den Auferstandenen in die Architektur des Naumburger Westchores gestellt. Der Betrachter erkennt den Westlettner mit dem zentralen Portal und den beidseitigen Wendeltreppen. Dahinter weitet sich der Blick ins Gewölbe des Kirchenschiffs. Unten, auf der Predella, ist das leere Grab mit Leichentuch, Dornenkrone und Kreuznägeln dargestellt. Drei rote Klatschmohnblüten symbolisieren ebenfalls Jesu blutige Passion. Die Vorderseite der Predella erinnert an das Thema „Letztes Abendmahl“, das häufig auf spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Predellen zu finden ist. Ist hier auch keine Tischgemeinschaft Jesu mit Aposteln dargestellt, so stehen als Abbreviaturen der Kelch und die Weinkaraffe sowie Brot und Brotkorb für die zentralen Zeichen dieser Tischgemeinschaft. In der stetigen Wiederholung der Feier des Abendmahls im Gottesdienst ist für Christen Jesus gegenwärtig.

Bilder und Fakten

Die Bilder sind für den Zeitraum vom 16.12.2022 bis 11.06.2023 und nur im Zusammenhang mit der Presseinformation zur Sonderausstellung Das Naumburger Marienretabel. Triegel ‚trifft‘ Cranach kostenfrei nutzbar.

Flyer, PDF, 9MB

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Naumburger Dom, Westchor mit Cranach-Triegel-Retabel, 2022
Fotonachweis © Vereinigte Domstifter, Fotograf: Falko Matte

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Naumburger Dom, Westchor mit Cranach-Triegel-Retabel, 2022
Fotonachweis © Vereinigte Domstifter, Fotograf: Falko Matte

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Naumburger Dom, Westchor mit Cranach-Triegel-Retabel (Rückseite), 2022
Fotonachweis © Vereinigte Domstifter, Fotograf: Falko Matte

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Michael Triegel, Altar zu Naumburg
Mitteltafel Vorderseite: Sacra conversatione
2020-2022, Acryl, Öl, Eitempera und Blattgold auf MDF, 242 cm x 220,7 cm
Fotonachweis: © VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Galerie Schwind, Leipzig

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Michael Triegel, Altar zu Naumburg
Predella Vorderseite
2020-2022, Acryl, Öl, Eitempera auf MDF, 51 cm x 220,7 cm
Fotonachweis: © VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Galerie Schwind, Leipzig

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Michael Triegel, Altar zu Naumburg
Mitteltafel Rückseite: Auferstehung
2020-2022, Acryl, Öl, Eitempera au MDF, 242 cm x 220,7 cm
Fotonachweis: © VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Galerie Schwind, Leipzig

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Michael Triegel, Altar zu Naumburg
Predella Rückseite
2020-2022, Acryl, Öl, Eitempera auf MDF, 51 cm x 220,7 cm
Fotonachweis: © VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Galerie Schwind, Leipzig

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Michael Triegel, Altar zu Naumburg
Mitteltafel Vorderseite: Sacra conversatione
2020-2022, Acryl, Öl, Eitempera und Blattgold auf MDF, 242 cm x 220,7 cm
Fotonachweis: © VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Galerie Schwind, Leipzig

Cranach_02.jpg

Michael Triegel, Altar zu Naumburg
Mitteltafel Vorderseite: Sacra conversatione
2020-2022, Acryl, Öl, Eitempera und Blattgold auf MDF, 242 cm x 220,7 cm
Fotonachweis: © VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Galerie Schwind, Leipzig

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Michael Triegel, Altar zu Naumburg
Mitteltafel Vorderseite: Sacra conversatione
2020-2022, Acryl, Öl, Eitempera und Blattgold auf MDF, 242 cm x 220,7 cm
Fotonachweis: © VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Galerie Schwind, Leipzig

Cranach_04.jpg

Michael Triegel, Altar zu Naumburg
Mitteltafel Vorderseite: Sacra conversatione
2020-2022, Acryl, Öl, Eitempera und Blattgold auf MDF, 242 cm x 220,7 cm
Fotonachweis: © VG Bild-Kunst, Bonn 2022, Foto: Galerie Schwind, Leipzig

Zwei außergewöhnliche Künstler:innen verwandeln das Diözesanmuseum Paderborn in einen experimentellen Erfahrungsraum

PADERBORN. Das Vermögen, im scheinbar Alltäglichen das Besondere zu erblicken, verbunden mit einer sensiblen, teilnehmenden Sicht auf ihre Motive, ist ein herausragendes Charakteristikum der Fotografin Barbara Klemm und des Foto- und Videokünstlers Christoph Brech. Für die Ausstellung im Diözesanmuseum haben sie zahlreiche ihrer bislang wenig bekannten oder noch gänzlich unbekannten Werke ausgewählt – einige auch neu geschaffen. Ihre Arbeiten treten im Diözesanmuseum Paderborn in einen Dialog miteinander – und mit den Exponaten des Museums. Dieses Zusammenspiel zwischen Fotografie, Videokunst und historischen Kunstwerken zeigt das Diözesanmuseum Paderborn vom 21. Mai bis zum 9. Oktober 2022 in der Sonderausstellung „SO GESEHEN – Barbara Klemm · Christoph Brech“.

 

Barbara Klemm, eine der bedeutendsten zeitgenössischen Fotografinnen Deutschlands, ist bekannt durch Schwarz-Weiß-Fotografien, die im Bildgedächtnis vieler verankert sind. Sie arbeitet grundsätzlich analog und in kleinformatigen Schwarz-Weiß-Aufnahmen (30 x 40 cm). Nun trifft sie auf Christoph Brech, dessen digitale Bild- und Video-Kunst großformatig und von ausgewogener Farbigkeit ist sowie von subversiven Sounds begleitet wird. In Paderborn nutzen beide die offenen und nach oben aufstrebenden Galerien des musealen Großraumes zu einem furiosen Dialog ihrer Werke, gegliedert nach „Gesprächsthemen“ wie Inspiration, Fragment, Menschen im Museum oder auch Letzte Bilder und Hortus.

Neue Perspektiven

Barbara Klemm ist vielen als die Grand Dame der politischen und gesellschaftlichen Fotografie vertraut. Jahrzehntelang hat sie für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) das Weltgeschehen mit der Kamera eingefangen. Auch ihre sensiblen Aufnahmen von Menschen in aller Welt sind durch zahlreiche Ausstellungen bekannt. In Paderborn aber richtet sie ihren unverwechselbaren Blick auf Skulpturen und Skulpturenfragmente, auf Menschen im Museum, Friedhöfe oder Landschaften und antwortet damit auf Christoph Brechs detailreiche, oft hintergründige Bildkompositionen – meist in überraschendem Gleichklang, mitunter jedoch auch in faszinierendem Kontrast. Christoph Brech begibt sich für diesen Dialog auch mal ins kleine Format oder auf das Gebiet der Grafik. Im Blick der beiden Künstler erweitert sich auch die Wahrnehmung der ausgewählten Exponate des Diözesanmuseums um neue Perspektiven und Bedeutungen.

Und so treffen in der Ausstellung zarte schwarz-weiße Wolkenstudien und Dirigentenportraits auf raumhohe Videos, die zeigen, wie sich feine Lichtbündel zu Klangwolken formen. Da turnen Trapezkünstlerinnen nicht nur vor der zerstörten Ruinenkulisse Rostocks, sondern auch inmitten güldener Engel, die ihrerseits im 18. Jahrhundert in einem Gestänge über einem barocken Festaltar aufgehängt waren. Monde schimmern entrückt über Wellen und Wolken am Horizont, wandern von Amseln vertont als Blutmond über den nächtlichen Himmel oder verwandeln sich in eine Mondsichelmadonna aus der Zeit der späten Gotik. Die Besucher:innen sehen Dialoge zwischen zerstörten Skulpturen aus dem Albertinum in Dresden nach dem Hochwasser 2002 mit Fragmenten aus den Vatikanischen Museen in Rom, dem Gewölbe des Neuen Museums in Berlin mit der Metropolitan Cathedral in Liverpool oder Aufnahmen von dem kolossalen Fuß Kaiser Konstantins aus den Kapitolinischen Museen in Rom – von Barbara Klemm so, von Christoph Brech so gesehen.

Begleitprogramm zur Ausstellung

Die Ausstellung wird von einem museumspädagogischen Angebot begleitet: Neben Führungen für Erwachsene, Familien, Jugendliche, Kinder und Schulklassen stehen kreative Fotokurse für Jung und Alt auf dem Programm. Die beliebte Reihe „Dialoge im Museum“ wird unter dem Titel „Rück-Sichten: Inspiration – Natur – Medium“ weitergeführt.

Auf die Kleinen warten die neugierige Handpuppe Amadeus und seine Freundin, die Theaterpädagogin Luisa Roensch. Sie zeigen Kita-Kindern ihre liebsten Fotos, Videos und Skulpturen in der Ausstellung. Unter dem Titel „So gesehen, Baby!“ haben Eltern mit ihren Babys unter einem Jahr die Ausstellung bei Kurzführungen ganz für sich allein.

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog im Hirmer Verlag
SO GESEHEN – Barbara Klemm · Christoph Brech, Hg. Holger Kempkens, Christiane Ruhmann, Beiträge u.a. von Hans von Trotha, 240 Seiten, 160 Abbildungen, 23×29 cm, Klappenbroschur, hochwertiges Kunstdruckpapier, ISBN: 978-3-7774-3942-6

 

Bildmaterial finden Sie hier:

Pressefotos-PK-19Mai2022 – Google Drive

/pressebilder-so-gesehen-klemm-brech/

Einladung zur Pressekonferenz und -Preview
Donnerstag, 19. Mai 2022, 11:00 Uhr

SO GESEHEN – Barbara Klemm ∙ Christoph Brech
Ausstellung vom 21. Mai bis 9. Oktober 2022

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

zwei außergewöhnliche Künstler:innen verwandeln das Diözesanmuseum Paderborn ab dem 21. Mai 2022 in einen experimentellen Erfahrungsraum: Die renommierte Fotografin Barbara Klemm, deren „Bruderkuss“ von 1979 heute eine Ikone ist und die grundsätzlich analog und in kleinformatigen Schwarz-Weiß-Aufnahmen arbeitet, sowie Christoph Brech, dessen digitale Bild- und Video-Kunst großformatig sowie von ausgewogener Farbigkeit ist und oft von subversiven Sounds begleitet wird.

Im Diözesanmuseum Paderborn nutzen beide Künstler:innen die offenen und nach oben aufstrebenden Galerien des musealen Großraumes für einen furiosen Dialog ihrer Werke. Auch ausgewählte Sammlungsstücke des Museums werden einbezogen und lassen einen faszinierenden Dreiklang entstehen.

Gerne möchten wir Ihnen die Ausstellung vorstellen und laden Sie herzlich ein zu Pressekonferenz und -Preview

am Donnerstag, 19. Mai 2022
um 11:00 Uhr
in das Foyer des Erzbischöflichen Generalvikariats, Domplatz 3, 33098 Paderborn


Zum Gespräch stehen Ihnen zur Verfügung:

Barbara Klemm, Fotografin
Christoph Brech, Foto- und Videokünstler

Prälat Thomas Dornseifer, Stellvertretender Generalvikar, Erzbistum Paderborn
Dr. Holger Kempkens, Direktor Erzbischöfliches Diözesanmuseum Paderborn
Dr. Christiane Ruhmann, Kuratorin der Ausstellung

Im Anschluss wird es einen geführten Rundgang durch die Ausstellung geben.

Weitere Informationen: www.dioezesanmuseum-paderborn.de/sogesehen

Akkreditierung / Interview
Bitte geben Sie uns bis zum 13. Mai 2022 eine Rückmeldung, ob Sie an dem Termin teilnehmen und/oder ein Interview führen möchten unter: presse@projekt2508.de

Wir freuen uns auf Ihr Kommen!
Mit freundlichen
Mirjam Flender
Pressebüro Diözesanmuseum Paderborn
c/o projekt2508 GmbH
+49 228 184967 24, presse@projekt2508.de

Zwei außergewöhnliche Künstler:innen verwandeln das Diözesanmuseum Paderborn in einen experimentellen Erfahrungsraum

 

Zarte Wolkenstudien und Dirigentenportraits treffen auf raumhohe Videos, in denen sich feine Lichtbündel zu Klangwolken formen. Trapezkünstlerinnen turnen vor der Ruinenkulisse Rostocks und zugleich zwischen den güldenen Engeln eines barocken Festaltares. Monde schimmern über Wellen und Wolken am Horizont, wandern von Amselstimmen begleitet über den nächtlichen Himmel oder verwandeln sich in eine Mondsichelmadonna aus der Zeit der späten Gotik. Dieses Zusammenspiel zwischen Fotografie, Videokunst und historischen Schätzen der eigenen Sammlung zeigt das Diözesanmuseum Paderborn vom 21. Mai bis zum 9. Oktober 2022 in der Sonderausstellung „SO GESEHEN – Barbara Klemm · Christoph Brech“.

 

Kontrast und Dialog
Der Kontrast könnte kaum größer sein: Barbara Klemm, deren „Bruderkuss“ von 1979 heute eine Ikone ist, arbeitet grundsätzlich analog und in kleinformatigen Schwarz-Weiß-Aufnahmen im Format 30 x 40 cm. Christoph Brechs digitale Bild- und Video-Kunst ist dagegen großformatig, von ausgewogener Farbigkeit und begleitet von subversiven Sounds. In Paderborn nutzen beide die offenen und nach oben aufstrebenden Galerien des musealen Großraumes zu einem furiosen Dialog ihrer Werke. Auch ausgewählte Sammlungsstücke des Museums werden mit einbezogen und lassen einen faszinierenden Dreiklang entstehen.

 

Das Verborgene sichtbar machen
Beide Künstler haben für ihren Paderborner Dialog besondere Werke ausgewählt und auch neue geschaffen. Barbara Klemm ist vielen als die Grand Dame der politischen und gesellschaftlichen Fotografie vertraut. Jahrzehntelang hat sie für die FAZ das Weltgeschehen mit der Kamera eingefangen. Auch ihre sensiblen Aufnahmen von Menschen in aller Welt sind durch zahlreiche Ausstellungen bekannt. In Paderborn aber richtet sie ihren unverwechselbaren Blick auf Skulpturen und Skulpturenfragmente, auf Menschen im Museum, Friedhöfe oder Landschaften und antwortet damit auf Christoph Brechs detailreiche, oft hintergründige Bildkompositionen – meist in überraschendem Gleichklang, mitunter jedoch auch in faszinierendem Kontrast. Brech begibt sich für diesen Dialog auch mal ins kleine Format oder auf das Gebiet der Grafik. Im Blick der beiden Künstler erweitert sich auch die Wahrnehmung der ausgewählten Exponate des Diözesanmuseums um neue Perspektiven und Bedeutungen.

 

Diözesanmuseum zeigt Sonderausstellung zum reichen Kulturerbe des Ordens im Erzbistum Paderborn

Paderborn (pdp). Im Jahr 1121 – vor genau 900 Jahren – wurde der Orden der Prämonstratenser durch den heiligen Norbert von Xanten gegründet. Im Rahmen der eigens zu diesem Jubiläum konzipierten Wanderausstellung an sechs ehemaligen Prämonstratenser-Standorten im Erzbistum Paderborn setzt das Erzbischöfliche Diözesanmuseum Paderborn ab dem 10. Dezember mit hochrangigen Kunstwerken zum Thema einen besonderen Akzent: Bis zum 13. März 2022 können bedeutende Kunstschätze, kostbare Werke der Goldschmiedekunst und mittelalterliche Handschriften aus den einstigen westfälischen Wirkungsstätten des Ordens bestaunt werden. Das Ausstellungsprojekt „Welt und Zeit gestalten. Kulturerbe der Prämonstratenser im Erzbistum Paderborn“ wurde am Donnerstag von Generalvikar Alfons Hardt, Museumsdirektor Dr. Holger Kempkens sowie den Kuratorinnen Ulrike Frey und Karin Wermert vorgestellt.

„Zwar gibt es derzeit keine aktiven Prämonstratenser im Erzbistum Paderborn, jedoch zeugen ihre ehemaligen Niederlassungen von der Geschichte und Spiritualität des charismatischen Ordens: Dessen Angehörige suchen bis heute nicht nur den Weg zu Gott in der Einsamkeit, sondern sie verbinden das kontemplative monastische Leben mit der nach außen, zur Welt, gerichteten Seelsorge“, erläutert Generalvikar Alfons Hardt. Heute seien im Erzbistum zehn ehemalige Stifte und Kirchen von Prämonstratenserinnen beziehungsweise Prämonstratensern zu entdecken, die mit dem vor neun Jahrhunderten gegründeten Prämonstratenserorden eng verbunden seien.

Ausstellung eröffnet Zusammenschau

Im Fokus der Sonderausstellung im Diözesanmuseum Paderborn steht die Spurensuche in den heutigen Pfarrkirchen der einstigen Prämonstratenserorte, die überraschende Funde aus den ehemaligen Stiften zu Tage förderte. „Wir freuen uns sehr, dass wir wenig bekannte Schätze aus zum Teil untergegangenen Orten wie Scheda im Kreis Unna oder aus dem ehemaligen Katharinenkloster in Dortmund erstmals in einer Zusammenschau der Öffentlichkeit vorstellen können“, betont Museumsdirektor Holger Kempkens. „Sie zeugen bis heute vom Wirken der ‚Norbertiner‘ an ihren historischen Stätten: Cappenberg, Clarholz/Lette, Scheda, Arnsberg-Wedinghausen, Rumbeck, Oelinghausen, Dortmund und Cappel.“

Frauen erwünscht

Ein Charakteristikum des Prämonstratenserordens ist es, dass auch Frauen der Zugang gewährt wurde. Sie lebten in eigens für sie eingerichteten Niederlassungen, im Erzbistum Paderborn beispielsweise in Oelinghausen oder Rumbeck. Für die beiden Kuratorinnen der Ausstellung, Karin Wermert und Ulrike Frey vom Erzbischöflichen Diözesanmuseum, ist es deshalb eine besondere Freude, dass nicht nur eindrucksvolle Zeugnisse zur Kreuzesverehrung aus diesen ehemaligen Stiften in der Ausstellung zu sehen sind, sondern auch kunstvoll von der Hand von Prämonstratenserinnen selbst gearbeitete Textilien und aufwendig gestaltete Reliquienbilder.

Jubiläumsjahr der Prämonstratenser

Zur Ausstellung im Diözesanmuseum erscheint eigens ein Katalog der präsentierten Exponate. Er bietet zudem einen facettenreichen Essay zu den Prämonstratensern, verfasst von Professor em. Dr. Johannes Meier, Mainz / Clarholz, dem Spiritus rector des Jubiläumsjahres im Erzbistum Paderborn. Gemeinsam mit den Kuratorinnen der Ausstellung im Diözesanmuseum sowie Reinhard Feldmann, ehemaliger Leiter des Dezernats Historische Bestände der Universitätsbibliothek Münster, und Dr. Bettina Heine-Hippler von der LWL-Denkmalpflege Münster zeichnet er auch für die Wanderausstellung verantwortlich, die – nach Stationen in Arnsberg (Oelinghausen, Rumbeck und Wedinghausen) und Werl – im kommenden Jahr noch in Dortmund und Clarholz zu sehen sein wird.

Bildmaterial (Abbildungen von Exponaten) siehe unten diese Seite

Folder zur Ausstellung zum Download
https://dioezesanmuseum-paderborn.de/praemonstratenser/

Internetseite zur Ausstellung mit Veranstaltungskalender
https://900-jahre-praemonstratenser.de/

Film des Erzbistums über die Prämonstratenser

Den Orden der Prämonstratenser, deren Errungenschaften im Laufe der Jahrhunderte sowie ihr Wirken im Erzbistum Paderborn stellt ein Film in den Mittelpunkt, der auf dem Youtube-Kanal des Erzbistums Paderborn zu sehen ist. Neben Professor em. Dr. Johannes Meier und der Historikerin Dr. Ingrid Ehlers-Kisseler spricht auch Pater Dr. Philipp Reichling OPraem von der Prämonstratenser-Abtei Hamborn im Beitrag über die Besonderheiten des Ordens. Der Film bietet zudem Luftaufnahmen der drei ehemaligen Klöster im Arnsberger Raum: Rumbeck, Wedinghausen sowie Oelinghausen.
https://youtu.be/Lhr2Uno8zx4

Wanderausstellung: Orte und Zeiten

  • Paderborn, Diözesanmuseum, 10. Dezember 2021 bis 13. März 2022
  • Dortmund, Propsteikirche, 10. April bis 8. Mai 2022
  • Clarholz, Klostermuseum, 6. Juni bis 9. Oktober 2022

Skulptur des hl. Norbert vom ehem. Lettner der Clarholzer Stiftskirche

Münster, Ende 15. Jahrhundert; Sandstein, der obere Teil des Bischofsstabes abgebrochen und durch einen Holzstab ersetzt.

Deutsche Franziskanerprovinz, München, (zukünftig Kath. Kirchengemeinde St. Laurentius, Clarholz)

Erzbistum Paderborn/Fachstelle Kunst, Foto Kalle Noltenhans

Heiliger Norbert mit Monstranz

Heinrich Strotmann (auch Stratmann),1626; Öl/Tempera auf Holz, spätere Übermalungen

Kath. Propsteigemeinde St. Walburga, Werl

Erzbistum Paderborn/Fachstelle Kunst, Foto Ansgar Hoffmann

Reliquienkästchen mit Martyrium des hl. Thomas Becket

Limoges, Anfang 13. Jahrhundert; Kupfer(legierung), z. T. gegossen, graviert, emailliert und vergoldet, Holzkern

Kath. Kirchengemeinde St. Laurentius, Clarholz

Erzbistum Paderborn/Fachstelle Kunst, Foto Ansgar Hoffmann

Türzieher in Löwenkopfform

Westfalen, Mitte 12. Jahrhundert; Bronze, gegossen, ziseliert und punziert

Kath. Kirchengemeinde St. Laurentius, Clarholz

Erzbistum Paderborn/Fachstelle Kunst, Foto Ansgar Hoffmann

Monstranz mit der Darstellung der heiligen Katharina

um 1500; Silber, gegossen, graviert, teilweise vergoldet

Kath. Kirchengemeinde St. Marien, Hagen

Erzbistum Paderborn/Fachstelle Kunst, Foto Ansgar Hoffmann

Kelchvelum (Grüner Ornat von 1727)

Prämonstratenserinnenstift Rumbeck, Arnsberg, 1727 (datiert); Seidendamast und Seidensamt, Gold-, Silber- sowie Buntstickerei in Anlegetechnik und Nadelmalerei

Kath. Kirchengemeinde St. Nikolaus, Arnsberg-Rumbeck

Erzbistum Paderborn/Fachstelle Kunst, Foto Ansgar Hoffmann

Johann Anderson: Nachrichten von Island, Grönland und der Strasse Davis

Frankfurt und Leipzig 1747

Kath. Propsteigemeinde St. Walburga, Werl (Bibliotheca Wedinghausano-Werlensis, Sign. BWW 310)

Erzbistum Paderborn/Fachstelle Kunst, Foto Ansgar Hoffmann

Missale für den Prämonstrastenserorden

Verdun 1736

Kath. Propsteigemeinde St. Walburga, Werl (Bibliotheca Wedinghausano-Werlensis, Sign. BWW 016)

Erzbistum Paderborn/Fachstelle Kunst, Foto Ansgar Hoffmann

Neue Sonderausstellung im Diözesanmuseum Paderborn:
„BildKlang Kölner Dom – Lumen Fidei“ von Wolfgang Weiss und Simon Stockhausen

Paderborn (pdp). „Lumen Fidei – Photo Qubits – Fenster des Kölner Doms“, unter diesem Titel präsentiert das Diözesanmuseum Paderborn ab Donnerstag, 22. Juli 2021, eine bildstarke Sonderausstellung, die bis zum 10. Oktober zu sehen ist. Drei Meter große Werke des Fotokünstlers Wolfgang Weiss schmücken die Ausstellungswände und laden ein, die Fenster des Kölner Doms mal anders zu sehen. In einer Videoshow verbinden sich die Fotos mit einer musikalischen Inszenierung durch Simon Stockhausen.

Vieltönig, wirbelnd, fließend zeigen sich die Fenster des Kölner Doms im Raum-Zeit-Spiegel des Fotokünstlers Wolfgang Weiss. Es ist, als gäbe das Licht den Weg frei für eine Expedition zur Wirkung hinter der Wirklichkeit. Das von außen durch das Domfenster scheinende Licht verbindet sich im gebogenen Spiegel zu einer neuen Wirklichkeit, einer anderen Erscheinungsform des Domfensters, die Wolfgang Weiss fotografisch fixiert. Das natürliche Licht – „lumen naturale“ – wird zum Licht des Glaubens – „lumen fidei“.

Die Ausstellung BildKlang Kölner Dom ist eine Co-Kreation von Wolfgang Weiss und dem Komponisten Simon Stockhausen, der Tonfolgen, Klangverläufe und Rhythmen direkt aus den Bildwerken ableitet, seine surrealen Klanglandschaften sind in einer Videopräsentation zu hören. „Wir konnten die Ausstellung in wenigen Wochen verwirklichen“, freut sich Dr. Holger Kempkens, Leiter des Erzbischöflichen Diözesanmuseums, bei der Eröffnung. Auch Fotokünstler Wolfgang Weiss war überrascht, wie unkompliziert der Vorgang war. Nach Köln und Düsseldorf ist nun Paderborn die dritte Station, auf der 14 Großbilder gezeigt werden. Ein anderer Teil dieser Fotofolge ist ab dem 31. August im Düsseldorfer Landtag zu sehen.

„Kathedrale des Lichts“

Die Uraufführung der aktuellen Arbeit der beiden Künstler Weiss und Stockhausen wurde dem Kölner Dom als Kathedrale des Lichts gewidmet. BildKlang ist eine Symbiose aus Bildern und Klängen. Fenster eines Doms sind für Wolfgang Weiss Lichtfilter von draußen nach drinnen. Sie sorgen für eine sakrale Stimmung und erzählen eine Geschichte – diese Wahrnehmung versucht der Künstler in einem eigenen Stil umzusetzen. Über den Spiegel bekämen sie eine neue Form, so Weiss, der mit dem Rücken zum Fenster in den Spiegel schaut und seine Entdeckungen macht. Das Bild müsse ihm etwas sagen. Er schaffe damit neue Wirklichkeiten, obwohl er lediglich fixiere, was er momentan sehe.

Wolfgang Weiss sucht seine Motive durch einen 50×70 konkaven und verbiegbaren Spiegel. Er schaut hinein, empfindet ein Bild und fotografiert dies schließlich mit einer Kamera vom Spiegelbild ab. „Kein Photoshop, keine Trickserei – sondern nur eine Originalabbildung des Bildes auf dem Spiegel“, lässt sich Weiss in seine Technik blicken. Dabei begibt er sich jedoch auf die Suche, schaut immer wieder neu, achtet auf Standort und Lichtverhältnisse. Unschärfe als Stilmittel sei erlaubt. Jedoch könne ein Foto auch mehrere scharfe Punkte in der Tiefe haben. Was nun wiederum ein Unterschied zu einer normalen Fotografie mit Tiefenschärfe sei. Weiss: „Wenn ich Maler wäre, dann wäre der Spiegel mein Pinsel.“

Interesse an der Quantenphysik

Es sei keine reine Fotokunst, sondern eine Arbeit mit spiritueller Note, ergänzt Museumsdirektor Kempkens. Einerseits muteten die Bildwerke an wie eine kurvige Grenzlinie zwischen Immanenz und Transzendenz. Andererseits erwiesen sie sich als fließender Übergang. Aus einem naturwissenschaftlichen Hause kommend, war Wolfgang Weiss schon immer an der Quantenphysik interessiert, die ihn zur neuen Stilrichtung der „Photo-Qubits inspiriert habe. „Die Raum-Zeit-Biegung hat mich stets fasziniert“, so Weiss, der bei sich selbst erkannt hat, dass Beobachter durch das Beobachtende beeinfluss sind. Diesen Spirit wünscht er auch den Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung im Diözesanmuseum.

Wäre ein solches Werk auch im Paderborner Dom möglich? Der Künstler zeigt sich interessiert und hat auch schon an zwei Fenstern im Hohen Dom Gefallen gefunden. Auch das „Drei-Hasen-Fenster“ hat sein Interesse geweckt.

Vita

Wolfgang Weiss

Wurde 1956 in Hungen geboren. Von 1975-79 studierte er in Dortmund Foto-/Filmdesign und machte seinen Abschluss als Diplom Designer. Nachfolgend arbeitete er als selbständiger Foto- und Filmdesigner mit dem Schwerpunkt Industriefotografie. Seit 2012 arbeitet als freischaffender Künstler. Die innere Quelle menschlicher Wirkkraft, Tugenden und spirituelle Fragen bestimmen seine Werke.  Folgende Auszeichnungen erhielt Weiss u.a.: Deutscher-Jugend-Fotopreis Photokina in Köln, Kodak-Kalender-Preis für surrealistische Industrie-Fotografie in Stuttgart, Ferrari-Foto des Jahres in Düsseldorf sowie 2. Preis Medical-Picture der Photokina Köln.

Simon Stockhausen

Wurde 1967 in Bensberg bei Köln geboren. Schon als Fünfjähriger begann der Sohn des berühmten Komponisten Karlheinz Stockhausen mit seiner musikalischen Ausbildung u.a. mit Klavier, Saxophon, Schlagzeug, Synthesizer und Komposition. Erste Auftritte mit seinem Vater folgten im Alter von 12 Jahren zum Beispiel an der Mailänder Scala. Nach dem Abitur tourte er mit dem Stockhausen-Ensemble in alle Welt. Simon Stockhausen produzierte zusammen mit seinem Vater auch elektronische Musik für zwei Opern.

Audio Statements von Dr. Holger Kempkens und Wolfgang Weiss

Museumsdirektor Dr. Holger Kempkens (l.) vor den Werken des Künstlers Wolfgang Weiss – mit seiner Ehefrau Petra – im Diözesanmuseum Paderborn.  Foto: Ronald Pfaff / Erzbistum Paderborn

8. Juli 2021

Studierende des Instituts für Romanistik der Universität Paderborn präsentieren Museumskoffer für den Einsatz in Schulen im Diözesanmuseum Paderborn

Im Diözesanmuseum unvergessen ist die letztjährige Rubensausstellung, die – fast wie geplant und Corona zum Trotz – großartige Werke des bedeutenden Antwerpener Künstlers und seiner Nachfolger in Paderborn präsentieren konnte. Eine besondere Aktion hatten sich damals Studierende des Instituts für Romanistik und des Belgienzentrums der Universität Paderborn mit ihrer Dozentin Professorin Sabine Schmitz überlegt: Die Präsentation barocker Lebenswelten in großen Schrankkoffern.

„Nachdem die Corona-Pandemie die Umsetzung des Projektes verhinderte, sind wir sehr dankbar, dass die Macherinnen und Macher sich bereit erklärten, es nun doch noch im Diözesanmuseum zu präsentieren“, freut sich Museumsdirektor Holger Kempkens.

Es entstanden drei facettenreiche Kofferwelten, welche von den Studierenden und ihrer Professorin Sabine Schmitz gemeinsam mit Holger Kempkens am heutigen Donnerstag, 8. Juli 2021, im Diözesanmuseum vorgestellt wurden.

Erarbeitet in spanisch- bzw. französischsprachigen Seminaren und künstlerisch mitgestaltet von Cathrin Spönemann vom Fach Kunst der Universität Paderborn, sind die Koffer für den Schulunterricht gedacht.

Ins „Große Welttheater“ des spanischen Barockautors Calderón de la Barca entführt der erste Koffer. „Dem Barock war das ganze menschliche Leben ein Bühnenstück, eine Inszenierung und eine solche kann von den Nutzerinnen und Nutzern des Koffers mittels zahlreicher Requisiten interaktiv realisiert werden“, erläutert David Schwind, der an der Konzeption dieses Koffers beteiligt war. Bedenkt man die große Rolle, welche die mediale Selbstdarstellung des Einzelnen im Internet heutzutage spielt, ist dies ein Konzept, das einem schulischen Publikum des 21. Jahrhunderts leicht zugänglich ist.

In Spanien und in der Beziehung Spaniens zu Lateinamerika spielt der Barock bis heute eine große Rolle für die Konstruktion kultureller Identität(en). Dies zeige der zweite Koffer anhand spannender Angebote und Aufgaben, so Alina Höveken, mit verantwortlich für dessen Inhalt. Hier kann man sich nicht nur der dunklen Seite des Barock annähern oder Rätsel lösen. Bedient man eine Spieluhr, erklingt barocke Musik, zur barocken Prachtentfaltung am eigenen Leib wird entsprechende Kleidung samt Spiegel bereitgehalten.

Der dritte Koffer schließlich trägt den Titel „Französischer Barock/französische Klassik“, und bietet einen kulturhistorischen Überblick. Auch der große Antwerpener Maler Peter Paul Rubens wird gebührend gewürdigt; es gibt sogar ein Interview mit dem Rubensexperten Nils Büttner zum Nachhören. „Doch nicht nur kulturelle Errungenschaften werden präsentiert“, führt Lisa Antpöhler, beteiligt an der Ausgestaltung dieses Koffers, aus: „Sozialgeschichtlich relevant werden die sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten adeliger und nicht-adeliger Frauen in der Barockzeit für Schülerinnen und Schüler lebendig.“

Zu den Koffern gibt es zusätzlich noch Kurzfilme der beteiligten Studierenden zu sehen.

Die kleine Ausstellung im Diözesanmuseum ist nur der Auftakt: Wie Professorin Schmitz erläutert, sind die drei Koffer für den Einsatz in Schulen gemacht. Sie sollen Schülerinnen und Schülern die Epoche Barock in ihren verschiedenen Facetten interaktiv näher bringen. Die Koffer können von Lehrkräften ausgeliehen (z.B. in den Fächern Spanisch, Französisch, Kunst, Geschichte) und im Unterricht verwendet werden.

9.3.2021

Heute kam die erlösende Allgemeinverfügung vom Landkreis Paderborn: Museen können wieder öffnen – man kann uns besuchen, ohne sich vorher anmelden zu müssen! Wir freuen uns sehr und öffnen bereits ab

morgen (Mittwoch, 10.3.2021) 10.00 Uhr unsere Pforten

Es ist soweit! Seit Mitte Dezember letzten Jahres stehen wir mit der Neupräsentation unserer Sammlung in den Startlöchern und nun geht’s wieder los. Besucher*innen erwartet barockes Dom-Theater, ein Blick in die Bistumsgeschichte seit Karl dem Großen, ein freundliches Kaiserpaar, das berühmte Drei-Hasen-Fenster im Original, einige heilige und starke Frauen, Eremiten und Ritter aber auch großartige und vielgestaltige Darstellungen der Gottesmutter Maria.

Für Kinder – die bis zum Alter von 12 Jahren freien Eintritt haben – steht die neue Zeichenrallye bereit; Teilnehmer*innen unserer Zeichenkurse und des After-Work-Chill-Out-Zeichnens sind eingeladen, sich mit ihren Skizzenbüchern den Neuheiten der Sammlung zeichnend zu nähern. Sie zahlen den ermäßigten Eintritt.

Weil wir uns so freuen, unsere Besucher*innen wieder zu sehen, haben wir was zu verschenken: Die ersten drei Gäste bekommen unseren Auswahlkatalog.

Aktuelle Änderungen des Zugangs bezüglich geänderter Inzidenzen veröffentlichen wir stets hier.
Bei uns gelten generell die allgemeinen Corona-Schutzverordnungen. Es können bis zu 50 Besucher gleichzeitig ins Haus –

Herzlich Willkommen!

Fotonachweis: Diözesanmuseum Paderborn, März 2021

Dr. Holger Kempkens wird neuer Direktor der Diözesanmuseums Paderborn, Foto: Besim Mazhiqi

Dr. Holger Kempkens folgt auf Professor Dr. Christoph Stiegemann als Leiter des Erzbischöflichen Diözesanmuseums

Das Erzbistum Paderborn freut sich auf Dr. Holger Kempkens aus Bamberg als neuen Leiter des Erzbischöflichen Diözesanmuseums Paderborn und des Teams Kunst im Erzbistum. Die Corona-Pandemie samt Verschiebung der Ausstellung „PETER PAUL RUBENS und der Barock im Norden“ führten dazu, dass Professor Dr. Christoph Stiegemann als Direktor des Diözesanmuseums und Leiter der Fachstelle Kunst im Erzbistum Paderborn in die Verlängerung musste, denn eigentlich wäre er Ende Juni 2020 in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet worden. Nachdem die Ausstellung am 25. Juli erfolgreich an den Start ging, steht nun der Nachfolger des umtriebigen Museums-Chefs fest: Dr. des. Holger Kempkens leitet seit 2012 das Diözesanmuseum Bamberg und hat zudem regelmäßig einen Lehrauftrag an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Zuvor war er lange in verschiedenen Ausstellungsprojekten in NRW unterwegs, zuletzt beim Bistum Münster als Kurator der Schau „Goldene Pracht – Mittelalterliche Schatzkunst in Westfalen“, die 2012 in Münster gezeigt wurde. Die offizielle Verabschiedung von Professor Dr. Stiegemann fand am 30. September statt, am 15. Oktober beendet er seinen Dienst. In einem Pressegespräch wurde Dr. Holger Kempkens von Generalvikar Alfons Hardt als Nachfolger von Professor Dr. Christoph Stiegemann vorgestellt.

„Mit den großen Sonderausstellungen, durch die unser Diözesanmuseum inzwischen zu einer veritablen Stimme im Chor der europäischen Museen wurde, aber auch mit der erfolgreich durchgeführten Inventarisierung der Kunstausstattung unserer Kirchen im Erzbistum hinterlässt Professor Dr. Christoph Stiegemann ein Erbe, das wohl bewahrt und weitergeführt werden soll“, betonte Generalvikar Alfons Hardt. „Mit Herrn Dr. Kempkens haben wir eine Persönlichkeit gefunden, die der westfälischen sakralen Kunst eng verbunden ist und die – aus der Arbeit für das Erzbistum Bamberg – um die Bedeutung von Kunst als Kulturträger in kirchlichem Umfeld und darüber hinaus weiß“, erklärte der Generalvikar des Paderborner Erzbischofs.

„Ich freue mich außerordentlich, dass mit Herrn Dr. Kempkens ein Nachfolger gefunden wurde, der über langjährige Erfahrungen auf dem Gebiet überregionaler kunst- und kulturhistorischer Ausstellungen verfügt und für den auch die kirchliche Denkmalpflege bekanntes Terrain ist“, sagte Vorgänger Museumsdirektor Professor Dr. Christoph Stiegemann.

Dr. Kempkens, der seine Dissertation zum Thema „Die Zisterzienserklosterkirche Marienfeld und die Burgkapelle von Schloss Rheda“ verfasste, fügte hinzu: „Ich freue mich sehr auf mein neues Aufgabenfeld in Paderborn. Mit ihm kehre ich zugleich auch zu meinen westfälischen Forschungsschwerpunkten zurück.“ Dr. Holger Kempkens wird seinen Dienst in der westfälischen Bischofsstadt am 15. Oktober antreten.


Pressebilder zum Download:

Dr. Holger Kempkens folgt auf Dr. Christoph Stiegemann als Leiter des Erzbischöflichen Diözesanmuseum Paderborn. In einem Pressegespräch wurde er heute vorgestellt.

Dr. Holger Kempkens, Foto: Privat
Dr. Holger Kempkens wird neuer Direktor des Diözesanmuseums Paderborn, Foto: Besim Mazhiqi
Stabübergabe: Der scheidende Museumsdirektor des Diözesanmuseums Paderborn, Prof. Dr. Christoph Stiegemann (links), mit seinem Nachfolger Dr. Holger Kempkens (rechts), Foto: Besim Mazhiqi
Das Team des Diözesanmuseums mit dem scheidenden Direktor Prof. Dr. Christoph Stiegemann (Mitte von links), seinem Nachfolger Holger Kempkens (Mitte) und Generalvikar Alfons Hardt vor dem Diözesanmuseum (rechts), Foto: Besim Mazhiqi

Ein „Übersetzer“ mit strahlender Freude an der Kunst

Paderborn, 30. September 2020: Prof. Dr. Christoph Stiegemann, Leiter des Diözesanmuseums, wird mit einem Dankgottesdienst und einem Festakt in der Paderhalle verabschiedet,  Foto: Besim Mazhiqi

Wenn „Institutionen“ gehen, ist das einen besonderen Abschied wert – auch in Corona-Zeiten: Prof. Dr. Christoph Stiegemann tritt nach 30 Jahren als Direktor des Erzbischöflichen Diözesanmuseums in den Ruhestand. Am Mittwochnachmittag feierte Erzbischof Hans-Josef Becker mit dem scheidenden Museumsdirektor, dessen Familie und Gästen zunächst eine Dankmesse im Hohen Dom. Anschließend wurde der künftige Ruheständler in einem Corona-gemäßen Festakt in der PaderHalle für sein langjähriges, unermüdliches und begeisterndes Engagement gewürdigt.

Prof. Dr. Christoph Stiegemann habe in seiner frühen Begegnung mit der christlichen Kunst die Botschaft und Bilder vom Heil eingesogen, sagte Erzbischof Becker im Gottesdienst. „Für dich ist der Glaube das Fundament und das Bleibende, seit den Kindertagen“, richtete sich der Paderborner Erzbischof an den langjährigen Museumsdirektor, Leiter der Fachstelle Kunst im Erzbischöflichen Generalvikariat und Domkustos.

„Gott spricht zu uns durch Musik, Malerei, Film, Theater, Tanz und Dichtung. All das sind auch Gottes Sprachen in der Welt“, zeigte sich Erzbischof Becker überzeugt. Prof. Dr. Stiegemann, dem Papst Franziskus erst vor wenigen Wochen den Päpstlichen Silvesterorden verliehen hat, habe diese Sprachen mit seiner Begeisterungsfähigkeit immer wieder übersetzt. „Als echter ‚Teamplayer‘ hat er auch sein Museumsteam immer neu begeistert. Nur so konnten die Ausstellungen so erfolgreich werden, weil sie für alle im Museum zur echten Herzensangelegenheit geworden sind“, so der Paderborner Erzbischof.

Den Bildungsauftrag im Blick

Generalvikar Alfons Hardt begrüßte nach dem Gottesdienst beim Festakt zahlreiche Ehrengäste in der PaderHalle – darunter den Bischof von Osnabrück, Dr. Franz-Josef Bode, sowie Professor Dr. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Viele Kolleginnen und Kollegen aus anderen Museen waren zur Verabschiedung gekommen –  laut Generalvikar Hardt ein Zeichen für „die guten gewachsenen Verbindungen zwischen den Museen und kirchlichen Häusern“. Ihre Verbundenheit drückten auch Künstler wie Brody Neuenschwander aus Brügge, Christoph Brech aus München und HA Schult aus Düsseldorf mit ihrer Präsenz aus.

Prof. Dr. Christoph Stiegemann sei es gelungen, „das Diözesanmuseum weit über die Grenzen des Erzbistums hinaus bekannt zu machen“, führte Generalvikar Alfons Hardt in seinem Grußwort aus. Dabei sei dem scheidenden Museumsleiter immer der Bildungsauftrag wichtig gewesen, kirchliche Kunst und Kultur einer breiten Öffentlichkeit zu erschließen. Generalvikar Hardt lobte auch Stiegemanns Verdienste als Leiter der Fachstelle Kunst: „Bei einer Vielzahl von Bau- und Renovierungsvorhaben im Erzbistum hat er sich mit der ihm eigenen Kreativität und einem hohen Maß an Sachverstand und Erfahrung eingebracht, Kirchengemeinden begleitet, aber auch Architekten, Künstler und Restauratoren beraten.“

Architektur mit Erzählungen bespielt

Prof. Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck kennt Prof. Dr. Stiegemann als langjähriger Weggefährte sehr gut. Er hat an vielen Ausstellungen im Diözesanmuseum mitgearbeitet. „Du hast die Architektur des Museums immer wieder mit sinnreichen Erzählungen bespielt und die Welt, in der wir heute leben aus ihren historischen Bezügen erklärt“, sagte der Mittelalter-Kunsthistoriker in seinem Festvortrag zu Prof. Dr. Stiegemann. „Und zwar mit Humor und einer strahlenden Freude an der Kunst. So kennen und so lieben wir dich!“

„Was soll man einem vielfach ausgezeichneten Menschen wie Prof. Dr. Stiegemann noch schenken“, schilderte Dr. Christiane Ruhmann als Mitarbeiterin des Diözesanmuseums das „Dilemma“ der Kolleginnen und Kollegen, ein passendes Präsent zum Abschied zu finden. Die „Ära Stiegemann“ sei eine spannende Zeit des Wachsens gewesen, aus der eine Vielzahl an guten Kooperationen entstanden sei. „Deswegen haben wir uns für ein Gemeinschaftsprojekt entschieden, das diese vielgestaltige Zusammenarbeit ausdrückt“, so Dr. Ruhmann. Entstanden ist daraus eine hochkarätige Festschrift mit dem Titel „Museum als Resonanzraum. Kunst – Wissenschaft – Inszenierung“, die Ruhmann gemeinsam mit ihrer Kollegin und Mit-Herausgeberin Dr. Petra Koch-Lütke Westhues ihrem langjährigen „Chef“ übergab. „Ich bin stolz, dass so viele Autorinnen und Autoren aus unterschiedlichen Disziplinen uns in ihren Beiträgen teilweise auch ihre neuesten Forschungsergebnisse anvertraut haben“, fasste Dr. Christiane Ruhmann zusammen.

Von der Festschrift bis zum Apfelbäumchen

Das erste Kapitel der facettenreichen Festschrift hat Erzbischof Hans-Josef Becker beigesteuert. Passend zum Inhalt des Aufsatzes überreichte er Prof. Dr. Stiegemann für dessen Garten einen Korbinian-Apfelbaum: Einen solchen Baum hatte der bayerische Pfarrer Korbinian Aigner während seiner Inhaftierung im Konzentrationslager Dachau unentdeckt gezüchtet. Einen Kunstbezug hat das Bäumchen auch: Auf der Documenta in Kassel im Jahr 2012 waren 402 Apfel-Zeichnungen des bayerischen Pfarrers und Apfelkundlers zu sehen.

Auch Ulrike Frey aus dem Team der Kunstinventarisierung, die seit 1988 im Erzbistum erfolgt und heute fast abgeschlossen ist und die Prof. Dr. Stiegemann langjährig begleitet hat, hatte ein Geschenk mitgebracht: ein gebundenes „Inventar der Inventarisatoren“, in dem die vielen Kunsthistoriker, die an der Inventarisierung mitgearbeitet haben, dem künftigen Ruheständler nun in nachhaltiger Erinnerung bleiben werden.

Menschlicher Bezug und Freude als A und O

Nach eigener Aussage „überwältigt und nahezu sprachlos“ angesichts der vielen guten Wünsche und Geschenke hatte der Geehrte das letzte Wort. Er richtete seinen Dank an alle, die ihn auf seinem Weg begleitet und unterstützt und diesen Tag „als großartiges Geschenk“ für ihn gestaltet haben, auch an seine Familie, die ihm immer den Rücken freigehalten habe. In besonderer Weise erinnerte er an seinen Vater. Dieser sei Kirchenbaumeister und habe ihm geraten: „Das Wichtigste ist der menschliche Bezug und die Freude an der Sache.“

Arbeitslos werde er in Zukunft nicht werden, so Stiegemann. In seiner Funktion als Leiter des Kompetenzteams für das Welterbe Corvey gebe es beispielsweise noch genug zu tun. Dass während der laufenden Rubens-Ausstellung mit seinem Abschied der „Vorhang falle“ für sein Wirken als Museumsleiter, empfinde er als großes Geschenk: „Im Barock war die Flüchtigkeit der Zeit ein bestimmendes Motiv. Es galt, unvergessliche Feste gegen diese Erfahrung zu setzen. So ein Fest durfte ich heute erleben. Dafür danke ich Ihnen allen und sage: Adieu!“

Für den musikalischen Rahmen des Abends sorgten mit melancholisch-schönen „Zwischenklängen“ Robert Kusiolek am Akkordeon und die Pianistin Elena Chekanova mit Live-Elektronik.

Die aktuelle Ausstellung „Peter Paul  Rubens und der Barock im Norden“ ist noch bis zum 25. Oktober im Erzbischöflichen Diözesanmuseum zu sehen.

Paderborn, 30. September 2020: Prof. Dr. Christoph Stiegemann, Leiter des Diözesanmuseums, wird mit einem Dankgottesdienst und einer Veranstaltung in der Paderhalle verabschiedet. Foto: Besim Mazhiqi
Gruppenfoto mit Gästen im Anschluss an den Dankgottesdienst. Foto: Besim Mazhiqi
Dankgottesdienst im Paderborner Dom mit Erzbischof Becker. Foto: Besim Mazhiqi
Prof. Christoph Stiegemann mit Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Bürgermeister Michael Dreier und der ehem. Bürgermeister Heinz Paus. Foto: Besim Mazhiqi
Prof. Dr. Christoph Stiegemann mit Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Foto: Besim Mazhiqi
Prof. Dr. Christoph Stiegemann mit Prälat Max Eugen Kämper. Erzbischof Becker und Generalvikar Hardt. Foto: Besim Mazhiqi
Prof. Dr. Christoph Stiegemann mit Erzbischof Becker, Generalvikar Alfons Hardt und dem Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz Matthias Kopp mit Frau. Foto: Besim Mazhiqi
Prof. Dr. Christoph Stiegemann mit Künstler Christoph Brech. Foto: Besim Mazhiqi
Prof. Dr. Stiegemann mit HA Schult und seiner Frau Anna Zlotovskaya. Foto: Besim Mazhiqi
Prof. Dr. Christoph Stiegemann mit Frau Claria und Sohn Cornelius. Foto: Besim Mazhiqi

 

Gäste kommen zum Festakt in die PaderHalle. Foto: Besim Mazhiqi
Professor Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck aus Bonn hielt als langjähriger Wegbegleiter den Festvortrag. Foto: Besim Mazhiqi
Professor Dr. Harald Wolter-von dem Knesebeck aus Bonn hielt als langjähriger Wegbegleiter den Festvortrag. Foto: Besim Mazhiqi
Dr. Christiane Ruhmann und Dr. Petra Koch-Lütke Westhues überreichen die Festschrift an den „Chef“. Foto: Besim Mazhiqi
Ulrike Frey aus dem Team der Kunstinventarisierung übergibt Prof. Stiegemann das „Inventar der Inventarisatoren“. Foto: Besim Mazhiqi
Dr. Christiane Ruhmann übergibt die Festschrift an den „Chef“. Foto: Besim Mazhiqi
Erzbischof Hans-Josef Becker überreicht Prof. Stiegemann einen Korbinian-Apfelbaum. Foto: Besim Mazhiqi
Prof. Dr. Christoph Stiegemann mit seiner Frau Claria und Sohn Cornelius. Foto: Besim Mazhiqi
Musikalisches Rahmenprogramm: Robert Kusiolek am Akkordeon und Pianistin Elena Chekanova mit Live-Elektronik. Foto: Besim Mazhiqi
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