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Spektakuläre Leihgaben aus der Zeit der Gotik im Diözesanmuseum eingetroffen

Paul Engelmann, Restaurator Dom- und Diözesanmuseum Mainz und Matthias Rüenauwer, Restaurator ars colendi, Paderborn; Foto Diözesanmuseum Paderborn/Ronald Pfaff

Die Gotik ist eine Zeit des Wandels. Deutlich zeigt sich das am faszinierenden Figurenschmuck der Gotteshäuser. Steinerne und hölzerne Skulpturen wurden zum Gegenüber des Betrachters, zeigten plötzlich Gefühle wie Trauer oder Freude. Eine Reihe herausragender Arbeiten dieser Zeit kamen jetzt im Diözesanmuseum Paderborn an. Für die kommende Gotik-Ausstellung hat das Dom- und Diözesanmuseum Mainz einige seiner Spitzenwerke auf die Reise geschickt.

Ausdrucksvoll und berührend: Werke des „Naumburger Meisters“

Zu den eingetroffenen Leihgaben gehört der „Kopf mit der Binde“, dessen jugendliche Gesichtszüge von beeindruckender Lebendigkeit sind. Erst 1914 wurde er im Obergeschoss des Mainzer Domkreuzgangs entdeckt und stammt, wie der ebenfalls gerade eingetroffene grinsende Teufel und ein Hopfenfries, aus der Werkstatt des berühmten „Naumburger Meisters“. Dieser geniale, allerdings namenlose Künstler, war prägend für die Skulptur der Gotik in Deutschland. Seine Werke sind bekannt für ihre ausdrucksvolle Mimik und ihre plastische Präsenz.

Erstmals entliehen: Lebensgroße Madonnenfigur

Auch die sogenannte „Fuststraßen-Madonna“ wird ihm und seiner Werkstatt zugeschrieben. Die lebensgroße Figur ist eine der interessantesten aber auch rätselhaftesten Skulpturen der deutschen Frühgotik und wird erstmals überhaupt entliehen. Die Madonna ist als junge Frau mit langem Haar dargestellt und zeigt tiefe Emotionalität. Ihr inniger Blick drückt die liebevolle Beziehung zu ihrem Sohn aus. Es scheint, dass sie ehemals eine Krone trug, die sie als Himmelskönigin kennzeichnete. Stilistische Vorbilder dieser ausdrucksstarken Marienfigur finden sich in der französischen Bildhauerkunst, etwa in Reims oder Straßburg. Ein weiteres Exponat aus Mainz ist der monumentale, stehende Engel, der ehemals den Giebel des Nordwestquerhauses am dortigen Dom krönte. Von seinem ursprünglichen Standort aus schien der Himmelbote über den Weg zu wachen, den der Erzbischof von seinem Palast zur Kathedrale zurücklegte.

Eine fruchtbare Beziehung seit Jahrhunderten

Die Beziehungen zwischen Mainz und Paderborn sind schon seit dem Mittelalter sehr eng, unterstand Paderborn doch einst dem Mainzer Erzbistum. Erst kürzlich besuchte der Mainzer Weihbischof Markus Bentz als Ehrengast die Feierlichkeiten zum Domjubiläum (1068 – 2018). Als vor 950 Jahren Bischof Imad seinen neuen Paderborner Dombau weihte, war Erzbischof Siegfried I. von Mainz zugegen. Jetzt schickt der Direktor des dortigen Diözesanmuseums, Dr. Winfried Wilhelmy, eine großartige Auswahl seiner spektakulären Bildhauerarbeiten in die Paderstadt.

Text: W. Murauer-Ziebach

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