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  • Nordwestdeutschland, zwischen 1051 und 1058, Lindenholz, ursprünglich polychrom gefasst, später mit vergoldeten Kupferblechen überzogen, Paderborn, Hoher Dom St. Marien, St. Liborius und St. Kilian,
    Inv.-Nr. SK 1

Die durch Bischof Imad (amt. 1051–1076) von Paderborn dem Dom zwischen 1051 und 1058 gestiftete Madonnenfigur gehört – neben der so genannten Goldenen Madonna des Essener Münsters (Ende des 10. Jahrhunderts) und der Madonna Bischof Bernwards von Hildesheim (1010/1015) zu den ältesten großfigurigen Darstellungen der thronenden Madonna in der abendländischen Kunst.

Fast in Gänze aus einem einzigen Stamm Lindenholz geschnitzt, thront Maria aufrecht auf einem Sitz mit niedriger Lehne; auf ihrem linken Knie ins Profil gedreht das Jesuskind. Vorbilder für diese Darstellungsform sind in den byzantinischen Bildtypen der sedes sapientiae (Sitz der Weisheit) und der Hodegetria (Wegweiserin) zu suchen. In der Rückseite der Imad-Madonna findet sich eine Höhlung zur Aufnahme von Reliquien.

Die Skulptur zeigt Spuren eines Brandes, den die Schriftquellen für das Jahr 1058 vermelden. In der Folge wurde die Madonna mit vergoldeten Metallblechen verkleidet, worauf zahlreiche Nagelspuren an der heutigen Oberfläche hinweisen. Die Metallhülle wurde 1762 entfernt und veräußert, da das Domkapitel zur Leistung von Kriegskontributionen im Siebenjährigen Krieg gezwungen war.

Der ursprüngliche Aufstellungsort der Imad-Madonna ist nicht überliefert. Er wird jedoch beim Hochaltar des östlichen Chores des Paderborner Doms vermutet, der Maria geweiht war. In der Zeit des fortschreitenden 11. Jahrhunderts erlebte die Marienverehrung unter dem Einfluss von Reformideen, die von der burgundischen Abtei Cluny ausgingen (so genannte Cluniazensische Reform) einen großen Aufschwung. Darüber legt diese bedeutende Stiftung des Paderborner Oberhirten Imad ein beeindruckendes Zeugnis ab.

Fotos: Ansgar Hoffmann

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