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Die thronende Madonna des Paderborner Bischofs Imad (amt. 1051−1076), die zwischen 1051 und 1058 dem Dom gestiftet wurde, ist das Hauptwerk der Skulpturensammlung des Museums und eines der prominentesten Bildwerke aus salischer Zeit. Zusammen mit der Goldenen Madonna aus dem Essener Münsterschatz (dat. um 980) und der „Großen Goldenen Madonna“ aus dem Dom zu Hildesheim (dat.1010−1015) zählt sie zu den ältesten monumentalen Darstellungen der thronenden Madonna in der abendländischen Kunst. Dabei ist sie deutlich größer als die mit Gold überzogenen Bildwerke in Essen und Hildesheim und anders als jene – wie schon Wilhelm Pinder 1935 erkannte – in ihrer Klarheit und „fesselnd strengen archaischen Schönheit“ eher eigenständig aus einem plastischen Kern heraus entwickelt, so dass sie „des Metallschimmers“, wie Pinder sich ausdrückte, eigentlich nicht bedürfe. Wie recht er hatte, erwies die umfassende Restaurierung der Figur von 1968 bis 1970, die den Nachweis erbrachte, dass die Figur ursprünglich farbig gefasst war und erst nach Beschädigung – wohl durch den Dombrand von 1058 – mit vergoldetem Kupfer überzogen wurde. Die Gottesmutter sitzt frontal in aufrechter Haltung auf einem mit einem flachen Kissen bedeckten Thronsitz mit niedriger Lehne, der ursprünglich an den Seiten rundbogige Öffnungen besaß. Das Jesuskind auf ihrem linken Oberschenkel stützt sie mit der Linken. Maria folgt dem byzantinischen Bildtypus der sedes sapientiae („Sitz der Weisheit“), zeigt allerdings anders als jener das Jesuskind nicht frontal auf dem Schoss, sondern ins Profil gedreht, was eher dem gleichfalls von Marienikonen aus Byzanz bekannten Typus der Hodegetria entspricht. Ihr rechter Unterarm ist angewinkelt, die rechte, ursprünglich waagerecht vorgestreckte Hand hielt vermutlich einen Apfel. Die plastisch verdichtete Großform der Skulptur ist nur an der Oberfläche von feinem Faltenrelief belebt. Maria trägt eine weitärmelige Tunika, unter der nur an den Handgelenken die engen Ärmel einer Untertunika sichtbar sind. Darüber legt sich die Palla, die Kopf und Oberkörper in Teilen umhüllt und in langgezogenen Faltenbahnen herabfällt. Zwischen den Füßen und am rechten Arm bilden sich flach aufliegende omegaförmige Tütenfalten aus. Auch wenn der Kopf im Bereich der Stirn und der Augenpartie abgeschliffen wurde, um Brandspuren zu beseitigen, so zeigt er immer noch eine ausgeprägt plastische Form mit schönlinig-symmetrischer Gesichtsbildung, wobei Augen, Nase, Ohren und Mund als Fixpunkte des physiognomischen Ausdrucks positiv in die Grundform eingetragen werden. Christus, in thronender Haltung würdevoll aufrecht sitzend, trägt eine knöchellange Tunika. Sein in der Mitte gescheiteltes Haar fällt hinter den Ohren in sanftem Schwung bis auf den Rücken herab. Er hat die Rechte zum Segensgestus erhoben und umfasst mit seiner Linken das Buch der Weisheit, das er vor der Leibmitte hält.

Thronende Madonna (sog. Imad-Madonna)
  • Nordwestdeutschland, zwischen 1051 und 1058
  • Lindenholz − ursprünglich polychrom gefasst, später mit vergoldeten Kupferblechen überzogen, nach deren Abnahme überfasst und mit neuzeitlichen Ergänzungen versehen; die Rückseite zur Aufnahme von Reliquien gehöhlt, mit einem Brett aus Eichenholz verschlossen und mittels sechs Nägeln befestigt; darin eine rechteckige Öffnung mit Falz; Deckel verloren; die rechten Hände von Mutter und Kind separat gearbeitet und angesetzt, Nasenspitze, Finger und Fußspitzen Marias fehlen, Teile der Thronbank zerstört, Oberflächenschäden durch Brand, Abschliff und Anobienbefall.
  • 1968 bis 1970 umfassende Restaurierung mit Abnahme aller späteren Ergänzungen, Freilegung der Reste der originalen Farbfassung, Kittung und Retuschierung der holzsichtigen Oberflächen in der Werkstatt des Westfälischen Landesamtes für Denkmalpflege in Münster
  • H. 112 cm, B. 45 cm, T. 52 cm
  • Paderborn, Leihgabe des Hohen Domes St. Marien, St. Liborius, St. Kilian
  • Inv.Nr. Sk 1
Imad-Madonna, Detail Foto: Ansgar Hoffmann
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